Kirmes-Spielzeug, Spielzeug vom Rummelplatz, Plastikspielzeug
Spielzeug von Steiff, Schildkröt und Co wurde allein schon wegen seines hohen Anschaffungspreises nicht einfach entsorgt, wenn die bespielenden Kinder dem entsprechenden Alter entwachsen waren und ist deshalb auch heute noch recht häufig anzutreffen. Zu den „wahren“ Raritäten unserer Tage zählt daher für mich das häufig aus Plastik hergestellte so genannte „Kirmesspielzeug“ der 50er, 60er und auch 70er Jahre, das in der Regel (oft sicherlich zurecht) ziemlich schnell den Weg in die Mülltonnen fand und, gemessen an seinem damaligen hohen Verbreitungsgrad, heute nurmehr unverhältnismäßig selten zu finden ist.
Wohl eines der am weitesten verbreiteten Spielzeuge überhaupt, ich glaube sogar, so etwas wird immer noch hergestellt – und habe trotzdem nicht die geringste Ahnung, wie es heißt. Ballfangbecher? Ballfangspiel? Knipsbecher kam mir in den Sinn, aber meine bevorzugte Suchmaschine kannte diesen Begriff gar nicht… Ich erhebe also hiermit das Urheberrecht darauf;-) – „Das gute Fernglas mit verstellbarer Optik für Reise, Theater, Sport und Strand“
„Kirmespuppen“ waren in den 50er und 60er Jahren allgegenwärtig auf „gemachten Betten“ oder Sofas.
Über die sicherlich damals wie heute vorhandenen Gefahren, die von Spielzeugpistolen, – gewehren oder -messern ausgehen, wurde schon so viel geschrieben, dass an dieser Stelle darauf verzichtet werden soll. Während einem aber heute bei der Wortverbindung „Jugendliche/Messer“ unweigerlich Szenen wie Bedrohung, Handyraub oder ähnliche in den Sinn kommen, dachte man früher in diesem Zusammenhang wohl eher an „Schiffchen aus Baumrinde schnitzen“ oder andere Basteleien. Und in Bezug auf Gewehre an „Bonanza-spielen“. Ich möchte nun aber bestimmt nicht in dieses ewige „früher war alles besser“ (war es sicherlich nicht!) einfallen, sondern einfach nur typische (Kirmes-)Spielzeuge dokumentieren, die in den 50er und 60er Jahren wohl fast jeder Junge irgendwann einmal besessen hat.
Anm.: Diesen Text hatte ich um 2010 geschrieben. Mittlerweile (2026) hat sich ja leider herausgestellt, dass das alles wohl auch damals nicht ganz so harmlos war, sondern bisweilen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Jugendlichen hatte. Beispielsweise ist aus dem seinerzeit Schiffchen schnitzenden Jungen Uwe inzwischen der gefährliche „Messerstecher Uwe“ geworden.
Knallkorkengewehr (Stöpselgewehr), 60er Jahre. Ich bin nahezu sicher, dass wohl fast jeder, der ein solches Spielzeuggewehr als Kind besessen und es seitdem nicht mehr in der Hand gehalten hat, ziemlich daneben liegen würde, sollte er heute die Maße schätzen. Was einem damals so stattlich vorkam, misst gerade einmal eine Länge von 53 cm.
Es ist schon erstaunlich, was so alles in den Windungen des Gehirns schlummert und nur darauf wartet, durch einen Auslöser – gleich welcher Art – wieder ans Tageslicht gefördert zu werden. Fast fünf Jahrzehnte hatte nicht mehr an meine Wasserpistole aus Kindertagen gedacht, aber beim Anblick obiger Werbung wusste ich sofort: DIE hatte ich auch! Es hat viel Spaß gemacht, damit um die Ecke zu schießen und ich kann mich sogar noch erinnern, wie es sich anfühlte, den Verschlussstopfen des Wassertanks in seine Öffnung zu drücken. – Das Geobra-Spielzeug muss anscheinend sehr erfolgreich gewesen und somit über einen langen Zeitraum produziert worden sein. Die Werbung stammt aus dem Jahr 1956, mein Exemplar besaß ich dann rund zehn Jahre später. Unten dann – weil sie so nett und zeittypisch ist – noch eine Werbung für das Vorgängermodell von 1952. – Ich hatte mir zuvor nie Gedanken gemacht, seit wann es „Wasser-Spritzpistolen“ überhaupt gibt. Da wohl kaum welche aus Metall oder Holz fabriziert worden sind, war die Voraussetzung für Erfindung und Herstellung dieser Spielzeuge sicherlich von der Weiterentwicklung der Kunststoffe abhängig.
Spielzeugtrompeten, Manurba-Plastik (Länge 32 cm) und eine Trompete im leidenschaftlichen Einsatz während der „Geburtstagsfeier bei Susanne“ im Jahr 1968.
Katalogblätter „Weichplastik-Lastwagen“, Georg Götz G.M.B.H., Fürth / Bay., Dr.-Mack-Straße 32 (Büro und Musterzimmer: Jakobinerstraße 26)
Toller Trödelfund für einen Plastikliebhaber wie mich: Eine große Tüte mit diversen unterschiedlichen Gitterelementen und vielen vielen Tieren.
Für einen Blechspielzeugsammler oder jemanden, der seine Sammlung über ihren materiellen Wert definiert, ein Fall für die Mülltonne – für mich jedoch Anlass zur Freude: hübsche farbenfrohe Spielzeug-LKW aus Plastik, wohl frühe 60er Jahre. Länge 12,5 – 21 cm
Die Autofähre (mit Rädern zum Schieben und herunterklappbaren Auffahrrampen) war über viele Jahre im Neckermann Versandhauskatalog zu finden. Während der Schiffskörper stets unverändert blieb, wurden die Autotypen mehrmals modernisiert.
Solche Postkutschen (Länge knapp 10 cm) waren Mitte der 60er Jahre weit verbreitet – zumindest habe ich selbst zu dieser Zeit damit gespielt. Möglicherweise waren sie ein Werbegeschenk der Post? – Ganz herzlichen Dank an Beate, die sich erinnert: „Ich kenne die Postkutschen aus den Jahren um 1957. Die gab es bei unserem Bäcker. Sie waren gefüllt mit kleinen Kaugummikissen und haben – so glaube ich – 10 Pfennig gekostet.“ – Danke an Christian für folgende Info: „Ganz sicher waren sie ein Werbegeschenk der Post. Und ganz sicher vor 1964, da in jenem Jahr mein Opa Hans verstorben ist, der Postbeamte in der Telefonabteilung war, die ja heute „Telekom“ genannt wird. Er brachte diese Kutschen immer wieder meiner Mama als Spielzeug mit. Sie sind daher wahrscheinlich ein Werbegeschenk über mehrere Jahre zw. Mitte 1950er und Anfang 1960er. Ich habe dann auch als Kind damit gespielt.“
Wolfgangs Spielwelt
Die folgenden Objekte – fast alle aus „Plastik“ – erhielt ich von Wolfgang, bei dem ich mich dafür und zudem für die (entsprechend gekennzeichneten) Erinnerungen an die Spielzeuge seiner Kindheit bedanken möchte.
Wolfgang: „Die Wirtschaftswunderzeit ist an mir, Jahrgang 1957, nicht spurlos vorübergegangen. Meine frühe Affinität zu Lastautos und sonstigem schweren Gerät wurde dadurch begünstigt, dass ich schon im Sandkasten mit einem entsprechenden „Fuhrpark“ zu tun hatte. Dank der Aufmerksamkeit meiner Mutter wurden die reichlich vorhandenen Spielsachen frühzeitig gut eingemottet und auf dem Speicher gelagert. Aus dem Dornröschenschlaf erweckt kommen sie nun virtuell noch einmal zu späten Ehren, so ganz ohne Bits und Bytes.“
Wolfgang: „Ich erinnere mich, dass mir mein Vater den großen Autotransporter im Sommer 1961, zur Zeit des Mauerbaus, aus Hamburg („Alsterhaus“) als Geschenk mitgebracht hat. Mit dem großen Paket im Schlepptau per Bahn bis in den Odenwald war bestimmt kein Vergnügen, dafür war die Freude bei mir umso größer.“ – Länge (ohne Auffahrrampe): 60 cm
Wolfgang: „Der Frontlenker-Sattelzug war ein Geschenk von Onkel und Tante aus Kassel, die bei uns zu Besuch waren. Das Spielzeug kam wie gerufen, weil kurz nach dem Umzug ins neue Elternhaus draußen kein Mangel an Spielmöglichkeiten herrschte und die Cousins und Cousinen gerne mitgeholfen haben, (Sand-)Berge zu versetzen.“ Länge: 30 cm – Werbung für den häufig in der Spielzeugproduktion verwendeten Kunststoff Hostalen (1964)
Zuerst gar nicht weiter beachtet hatte ich ein auf den ersten Blick undefinierbares buntes Knäuel. Als ich es dann auseinander friemelte und in Form brachte, entpuppte es sich als ein aus Pfeifenreinigern zusammengebastelter Affe(?), der eine Palme hinaufklettert. Clou: Er ist mit einem Gummizug an einem der Palmwedel befestigt und wenn man ihn hinunterzieht und loslässt, flitscht er mit affenartiger;-) Geschwindigkeit den Stamm wieder hinauf. So unglaublich simpel dieses Spielzeug auch ist – oder gerade deshalb: genau mein Ding! Als Kind hätte ich mit Sicherheit stundenlang Spaß daran gehabt (und auch heute noch kann ich es kaum aus den Fingern legen …).
Wolfgang: „Das Plastikboot hat gute Dienste leider nur in der Badewanne geleistet, da es in der Umgebung keine „schiffbaren“ Gewässer gab, auf denen ein Rettungseinsatz hätte stattfinden können.“ Länge: 30 cm – Das Plastikboot im Neckermann-Katalog aus dem Jahr 1966: „Haribo-Hochsee-Jacht, aus stabilem Plasticmaterial, gefüllt mit beliebten Süßigkeiten und Lakritzen von Haribo – 2,95 DM“
Feuerwehrauto inklusive noch vorhandenem Wasserschlauch(!), Länge 28 cm, und dessen Abbildung in einem Spielzeugkatalog aus dem Jahr 1961.
Wolfgang: „Die Musikinstrumente sind 2. Wahl oder sonstwie beschädigt, Herstellung um 1968-1970. Sie stammen von der längst eingeebneten und begrünten Abfallgrube der Fa. Georg Brohm, Vielbrunn, heute Michelstadt. Dort fand man als Kind immer etwas, was man brauchen konnte. Die Fa. Brohm war ein kleiner Betrieb, dem der damals innovative Spritzguss den Weg vom Billigspielzeug zu hochwertigen Zulieferprodukten für die Automobilindustrie geebnet hat.“ – Länge der Trompete: 33 cm
Ich habe diverse Knetspiele in meiner Sammlung und fast allen ist angesichts vieler unberührter Materialstränge gemeinsam, dass den Beschenkten recht schnell die Lust am Kneten vergangen zu sein scheint … Soweit ich mich erinnere, war das bei mir nicht anders. Hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, dass bei solchen Spielen die Diskrepanz zwischen Deckelbild-Versprechen und Inhalt so enorm – und die Enttäuschung damit vorprogrammiert ist. Außerdem musste man immer extrem aufpassen, dass nichts auf den Boden fiel – sonst gab’s Ärger mit der Mutter. Und ganz besonders, wenn man in einem Zimmer mit Teppich zu Werke ging.
Im Fundus entdeckte ich auch diese beiden Kunststoff-Figuren. Im Laufe der Jahrzehnte ist das Material ausgetrocknet, es wurde spröde, rissig und hat sich verformt. Für mich sind die Gesichter so voller Melancholie, als hätten sie bei ihrer Entstehung schon von ihrem Schicksal geahnt…