Modepuppen
Der seit 1964 in der Bundesrepublik mit großem Erfolg verkauften Modepuppe Barbie des amerikanischen Herstellers Mattel ließ man in der DDR 1966 die vom VEB Puppenfabrik Waltershausen gefertigte „Steffi“ folgen (Bildmitte – im schicken Hosenanzug aus der beliebten DDR-Kunstfaser Malimo), die es in für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich vielen Ausstattungsvarianten zu kaufen gab. Während jedoch Barbie und ihrem westdeutschen Konkurrenzprodukt „Petra“ im Laufe der Zeit mit „Ken“ bzw. „Fred“ jeweils Männer an die Seite gestellt wurden, blieb Steffi zeitlebens ein Dasein als Single beschieden … (v.l.n.r.: Fred, Petra, Steffi, Barbie, Ken)
Obwohl ich eigentlich nicht wirklich Modepuppen sammle, haben im Laufe der Jahre dann doch ein paar den Weg in mein Museum gefunden. Und seit ich obige Boutique der Firma SIO besitze, war der Gedanke präsent, mit dem vorhandenen Fundus eine 70er-Jahre-Szene auszustatten. Leider habe ich dafür jedoch überhaupt kein Händchen – Mode ist überhaupt nicht mein Ding – und so blieb es diverse Zeit nur bei der Vorstellung. Bis – ja bis mich einmal Deutschlands wohl bekannteste Spielzeugsammlerin, die Barbie-Expertin Bettina Dorfmann besuchte, die sich nicht lange bitte ließ und dies für mich erledigte. – Die Puppen sind mit Absicht bunt gemixt und selbst Steffi aus der DDR (2.v.l.) ist mit dabei. – Mehr über Bettina hier: www.barbiepuppenklinik.de – Oder einfach mal googeln – und staunen!
Im Rahmen meiner Spielzeug-Ausstellung „Im Kinderzimmer wird’s orange! Spielzeug aus den 1960er und 1970er Jahren“ sind dann doch noch einige Modepuppen und Accessoires hinzugekommen. Hier die entsprechende Vitrine im Heimatmuseum in Reutlingen.
Danke für die folgenden Erinnerungen von Besucherinnen meiner Seiten: „Mein Name ist Kerstin, geb. 1962 in der DDR und mein Kindheitswunsch war immer eine von diesen wunderschönen Barby-Puppen zu besitzen und was noch viel erstrebenswerter war, dieses wundervolle Zubehör, was ja bei uns überhaupt nicht zu haben war, nicht einmal daran zu denken … wenn man irgendwo mal zu so einem Prospekt kam, mit diesen Tausend kleinen Schuhen, Taschen usw. usw. usw. einfach nur traumhaft.“ – „Wir durften keine Barbie haben wegen ihres erotischen Aussehens. Doch als ich einmal krank im Bett lag, brachte mir mein Onkel eine mit und gleich verschiedene Kleidersortimente dazu, was ich toll fand. Bald wusste ich aber, dass Skipper meine Lieblings-Ankleidepuppe war und blieb. Sie war der Inbegriff der schönen swinging-sixties und Twiggy-Mode einer Ära, die ich als Kind am Ende der 60er Jahre auch schon durch Fernsehen und Musikhören mitbekam.“
„Konjunktur im Kinderzimmer“
1965 berichtet DER SPIEGEL im Rahmen der Reportage „Deutschlands Spielzeug“ auch über die „Sex-Puppe Barbie“, die aufgrund ihrer „überlangen Beine bereits in der Gruppe des absurden Spielzeugs“ steht.
Zum Artikel auf Spiegel Online: www.spiegel.de
Modepuppe Petra von Plasty
Deutsche Billigkonkurrenz zu Barbie und seit 1964 auf dem Markt: Die Modepuppe „Petra“ der Firma Plasty
Petra-Star – Umsatz-Star. Von welcher Seite man es auch betrachtet, Petra ist ein umsatzstarker Artikel. Für das ganze Jahr. Mit Nachkaufeffekt. Marktgerecht im Preis und immer aktuell in der Ausstattung. Natürlich auch Fred-Star und Peggy-Star. – Werbung der Plasty-Spielzeug GmbH & Co. KG, 6831 Neulußheim (1974)
Bislang sammle ich „Petra“ nur sporadisch, besitze daher auch erst einen „Fred“ (noch dazu einen recht derangierten), der Bestandteil eines jüngst erstandenen Konvoluts war. Schuhe besitzt Fred zwar zur Genüge, leider aber hat er noch keine vernünftige Hose. So wie auf dem Foto fand ich ihn im Karton vor: mit Fuß umschließender Skianzughose zur Smokingjacke. Sieht nicht wirklich cool aus … aber auch nicht ganz unoriginell … – „Ein Anzug für Fred von Plasty“: todschickes Disko-Outfit im Glitzerlook für Petras Fred.
Diese Modepuppe schickte mir Rita, begleitet von den Zeilen: „Hier sende ich Ihnen unseren Fred. Wir mochten ihn nie so richtig, er war immer zu klein und passte nicht richtig ins „Rollenbild“.“ Dies wird dem schnittigen Schnauzbartträger in der stylischen Schlaghose jedoch nicht gerecht, da es sich mitnichten um Petras Begleiter Fred handelt, sondern vielmehr um Tony, der den „DiscoGirls“ Britt, Tia, Domino und, unten zu sehen, Dee an die Seite gestellt wurde. Und da passt’s größenmäßig großartig! – Weil sich bei mir bei Tonys Anblick jedes Mal auf’s neue schlagartig der Song Night Fever von den Bee Gees festsetzt (noch dazu nicht selten als Endlosschleife …), habe ich versucht, Tony in einer coolen Tanzpose festzuhalten. – Ganz herzlichen Dank also an Rita, sowohl für die Puppe und als auch für die daraus resultierende Geschichte!