Ausleihbare Wanderausstellungen der Sammlung Wirtschaftswundermuseum:

Deutsch-deutsche Spielzeugwelten

9.7. – 11.10. 2010 Museum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden/Thüringen

19.7. – 7.9. 2014 Museum Petersberg/Saalekreis

12.12. 2015 – 6.3. 2016 Museum Schloss und Festung Senftenberg

22.3. 2016 – 4.9. 2016 Spreewald-Museum Lübbenau

21.6. – 10.8. 2025 Museum Petersberg/Saalekreis

Anhand von kulturhistorisch aussagekräftigen Kinderspielzeugen aus den ehemals zwei deutschen Staaten zeigt die Ausstellung auf ebenso informative wie unterhaltsame Art und Weise Gemeinsamkeiten und Unterschiede des „Kind-seins“ – und damit des Lebens – in Deutschland-Ost und Deutschland-West auf.

In einzelnen Stationen werden zu verschiedenen prägnanten Themengebieten jeweils Spielzeuge aus der DDR und aus der Bundesrepublik gegenübergestellt, um typische Gegensätze herauszustellen oder auch, um überraschende Berührungspunkte zu dokumentieren.

Während Kinder in der DDR zum Beispiel schon früh mit politischer Ideologie in Berührung gelangten – so unter anderem in Form eines Kinderpost-Stempels, der statt kindgerechter Blumen- oder Tierbilder den Jahrestag der Nationalen Volksarmee zum Motiv hat – waren in den bundesdeutschen Kinderzimmern eher Symbole des Kommerzes zu entdecken. Ob von Markenherstellern gesponserte bunte Kaufladenschächtelchen oder Autos und Eisenbahnen mit Aufdrucken bekannter Firmen – solches „product-placement“ im Kinderzimmer sorgte schon bei den ganz Kleinen für eine positive Belegung der entsprechenden Produkte.

Weithin unbekannte Gemeinsamkeit: Durch die rege Exportaktivität der DDR waren etliche der dort hergestellten Spielzeuge auch in bundesdeutschen Spielkisten zu finden.

Des weiteren werden Spielzeug-Gattungen vorgestellt, die es angesichts der Andersartigkeit der politischen Systeme oder aufgrund nationaler Eigenheiten jeweils nur in einem der beiden Staaten gab.

Positiver Nebeneffekt dieser Präsentation: Das breite Spektrum der gezeigten Objekte lässt bei sehr vielen Besuchern – männlich wie weiblich – Kindheitserinnerungen aufkeimen, sodass auch „reine Nostalgiker/innen“, denen eine solche kritische Aufarbeitung schlicht egal ist, voll auf ihre Kosten kommen.

INFO

 

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Im Kinderzimmer wird‘ orange! – Spielzeug der 60er und 70er Jahre

 

20.11.2021 – 13.02.22 Reutlingen

5.10.2025 – 28.12.2025 Gewerbemuseum Spaichingen

Spielzeug ist eine verkleinerte Abbildung der realen Welt ist und spiegelt seit jeher auf das Schönste den Zeitgeist seiner Entstehungszeit wider. Die Ausstellung „Im Kinderzimmer wird’s orange!“ ist daher nicht nur eine Spielzeugschau, sondern ermöglicht zudem aufschlussreiche Einblicke in die Befindlichkeiten der 1960er und 1970er Jahre. – Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft prägten diese Jahrzehnte. Sie markierten das Ende von Nachkriegszeit und Wiederaufbau und standen für neue Strömungen hinsichtlich Wohnen, Mode und Kultur. Unvergessen bleibt die gewaltige technologische Entwicklung im Zuge der Mondlandung 1969. Die 70er Jahre läuteten aber auch das Ende des Booms der Nachkriegsjahre ein. Mit der Ölkrise von 1973 begann eine Phase wirtschaftlicher Probleme und das „Ende des Wachstums“. – Nicht zuletzt dank Einsatz neuer Materialien, wie zum Beispiel farbenfrohem und kostengünstig zu verarbeitendem Plastik, gab es seinerzeit ein reichhaltiges Angebot unterschiedlichster Spielzeuge für drinnen und draußen zu kaufen. Die in Spaichingen zu entdeckenden Exponate nehmen alle Interessierten mit auf eine Zeitreise in zwei bewegte Jahrzehnte. Wer mag, kann einiges über diese spannende Phase deutscher Geschichte erfahren. Aber auch Besucher, die einfach nur in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und das ein oder andere Spielzeug ihrer Kindheit (wieder-)entdecken möchten, kommen auf ihre Kosten.

Pressebericht in der Schwäbischen Zeitung

Anfragen: kontakt@wirtschaftswundermuseum.de

 

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Das hab' ich auch gehabt! Spielzeug aus dem Wirtschaftswunder

12.12.2018 bis 5.5.2019  Neuwied

 29.6.2019 – 18.8.2019  Petersberg/Saalekreis

 9.11.2019 – 9.2.2020  Reutlingen

Kinderspielzeug ist ein aussagekräftiger Spiegel der deutschen Nachkriegsgeschichte:

Nach den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkrieges hatten die Deutschen in vielerlei Hinsicht ein immenses Nachholbedürfnis. In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte jedoch in weiten Bereichen des täglichen Bedarfs erst einmal großer Mangel. Für die meisten Menschen war es das Wichtigste, überhaupt genug zu essen zu haben. Sehr anschaulich dokumentiert dies ein in der Ausstellung zu sehender Kinderkaufladen, in dessen Auslagen zum Beispiel verschiedene Kaffee-Ersatz-Mischungen oder „Götterspeise ohne Zucker“ zu entdecken sind. Eine Fleischbrühe wird immerhin schon wieder in „Friedensqualität“ angeboten. Dank Marshallplan, Währungsreform und einer enormen Leistungsbereitschaft der Menschen geht es allerdings bald wirtschaftlich aufwärts, die Regale der Geschäfte füllen sich und es folgt eine Periode, die uns heutzutage als „Fresswelle“ geläufig ist. Um 1950 schließt sich die „Haushaltswelle“ an, die ein zeitgenössischer Chronist wie folgt beschreibt: „Als wir satt waren, entdeckten wir plötzlich die Löcher in unseren Teppichen, die Sprünge im Geschirr, die Risse im Oberleder unserer Schuhe. Also kauften wir, was das Portemonnaie, die Warenkreditgesellschaften und die Vorschüsse hergaben.“ Auch dies wird im Spielzeugbereich mannigfaltig dokumentiert, sei es durch gemütlich eingerichtete Puppenstuben, schick angezogene Puppen, Spielgeschirr oder Blechherde, die die Entwicklung vom Kohle- zum Elektroherd aufzeigen.

Noch in der ersten Hälfte der Fünfziger folgt die „Reisewelle“. Nach vielen Jahren der kriegsbedingten Isolation stellten die Deutschen fest, dass sie noch gar nichts von der Welt gesehen hatten und sie begannen zu reisen. Zuerst ging nach Oberbayern und in den Schwarzwald, doch bald schon fuhr der Mann, der auf sich hielt, nach Italien – die Ersparnisse wurden ins Reisebüro getragen. In der Spielzeugwelt belegen dies höchst anschaulich Brettspiele, die sich um Urlaubsfahrten drehen oder auch die Reisemittel selbst, nämlich Flugzeuge, Eisenbahnen und Schiffe im Miniaturformat. Im Verlauf der 1960er Jahre sollten die Bundesbürger gar zu „Reiseweltmeistern“ avancieren. – Das Auto war bereits damals der Deutschen liebstes Kind. Konnten sich anfangs nur wenige ein eigenes Gefährt leisten, sorgte das enorme Wirtschaftswachstum, das schon seinerzeit als „Wirtschaftswunder“ bezeichnet wurde, und die damit einhergehende rasant steigende Kaufkraft dafür, dass es binnen kurzem zu einer Massenmotorisierung und verstopften Innenstädten inklusive Parkplatzproblemen kam. Ende der 1950er Jahre wurden die ersten Parkhäuser gebaut und wenig später standen ihre spielgerechten Abbilder in den Regalen der Händler. Auch der Traum von eigenen „kleinen Häuschen“ erschien für immer mehr Familien als ein realistisches Ziel. Baukästen und Gesellschaftsspiele drehen sich um den Hausbau und das Angebot an Spielzeugbaggern und Baufahrzeugen ist riesengroß. Zudem herrschte eine regelrechte Fortschrittseuphorie, die Atomkraft galt als Heilsbringer der Zukunft und so ist es kaum mehr verwunderlich, dass 1958 ein Hersteller sogar ein Spielzeug-Atomkraftwerk im Sortiment hat.

Aus dem einstigen Nahrungsmangel ist mittlerweile ein Überfluss geworden, die Menschen essen zu viel und werden zu dick – im Kinderkaufladen ist nun eine Spielpackung Abführmittel zu entdecken…

Die Elektrifizierung der Haushalte, die Entwicklung des Fernsehens zum Massenmedium und der Flug zum Mond in den 1960er Jahren sind weitere Themenbereiche, die es in der Ausstellung zu entdecken gilt.

Wer mag, kann aber auch einfach nur in nostalgischen Erinnerungen schwelgen oder diese an seine Kinder und Enkel weitergeben und ihnen zeigen: „Das hab‘ ich auch gehabt!“

Dokumentation der Ausstellung