Puppenstuben-Puppen

Caco-Puppenstubenpuppe (Höhe ca.14cm) mit Hund der Firma Wagner
Erna-Meyer-Puppenstubenpuppe (Höhe ca.17cm) mit Hund der Firma Wagner
Caco-Puppenstubenpuppe (Höhe ca.13,5cm) mit Hund der Firma Wagner

Typisches Männerbild der 50er Jahre in einem KaDeWe Prospekt von 1956 und sein optischer Zwilling als Puppenhaus-Puppe.

Puppenstubenpuppen der Firma Erna Meyer. – Folgende Firmengeschichte stammt von der Erna-Meyer-Homepage: Im Oktober 1945 meldete die gelernte Kindergärtnerin Erna Meyer (1924 – 1996) in München ein Gewerbe zur „Kunstgewerblichen Puppenanfertigung aus Stoff“ an. Die ersten Mitarbeiterinnen waren Freundinnen, die – wie Erna Meyer selbst – nach Kriegsende keine Arbeit im angestammten Beruf fanden. Aus Stoffresten, Flachs und Blumendraht entstanden biegsame Püppchen, die sich hervorragend für das Spiel mit Puppenstuben eigneten. –Entscheidend für den Erfolg des kleinen Betriebes wurde der Besuch der ersten Nürnberger Spielwarenmesse 1950. Die legendäre Puppengestalterin Käthe Kruse fand großen Gefallen an den Biegepüppchen aus München und dekorierte ihre Puppen mit Meyer-Püppchen. Dank der Empfehlung Käthe Kruses erweiterte sich der Kundenkreis rasch. Wegen ihrer sorgfältigen Gestaltung, der feinen Bemalung und exzellenten Verarbeitung gehörten Erna-Meyer-Biegepüppchen zu den ersten Spielzeugen, die das 1955 erstmals vergebene „spiel gut“ Gütesiegel erhielten. – Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Puppenmodelle, die sich durch ihre grazile Beweglichkeit und natürliche Ausstrahlung auszeichneten. Sie waren in Größe und Ausstattung abgestimmt auf das Programm vieler namhafter Hersteller von Puppenstuben und -möbeln wie etwa Bodo Hennig oder Dora Kuhn.

ARI-Puppenstubenpuppen (August Riedeler, Königssee/DDR) werden von Sammlern nicht sonderlich geschätzt und ich muss gestehen, dass ich sie ebenfalls lange Zeit links liegen ließ. Erst seit ich diverse Ausstellungen „im Osten“ gemacht habe, ist mir bewusst geworden, wie verbreitet sie in der DDR waren und dass sie einfach dazugehören. Und weil ich stets bestrebt bin, meine Objekte möglichst authentisch zu gestalten, bin ich daher seit einiger Zeit bemüht, den ARIs immer größeren Raum zu geben. – Übrigens: je länger ich mich mit ihnen beschäftige, desto besser gefallen sie mir!

Puppen der Firma EDI (Erich Dittmann, Bonn-Bad Godesberg/Mehlem)

Vielleicht meine absoluten Lieblingspuppen überhaupt, im wahrsten Sinne des Wortes selbstgestrickt. Mein Favorit ist der urige Sohn in seiner zeittypischen Lederhose. – Seit etlichen Jahren befand sich ein Kakteenbänkchen in meinem Fundus, welches sich leider immer als zu groß erwies – bis ich nun die hier gezeigten selbstgemachten Sitzmöbel bekam. „Bezogen“ sind sie mit originalen Polsterstoffen der Zeit und wirken dadurch natürlich recht raubauzig, authentischer geht es allerdings kaum. „Eingezogen“ ist meine Lieblingsfamilie. – Passt:-)

Man kann nicht nur schöne Kinder haben;-) Da ich nicht idealisieren, sondern dokumentieren möchte, sind bei dieser Zusammenstellung von Miniatur-Kinderwagen auch einige Billigpüppchen dabei, wie sie in vielen Kinderzimmern zu finden waren. – Um von einem Kind geliebt zu werden, spielt es sowieso keine Rolle, ob etwas hübsch oder hässlich ist.

Spielgesichter – Gesichterspiele

Oft kaum größer als ein Daumennagel zeigen die kindgerecht gestalteten und auf den ersten Blick so unverbindlich anmutenden Antlitze von Puppenstubenpuppen häufig erst in der Nahaufnahme ihr wahres Gesicht. Entwickeln eigenständige Charaktere, offenbaren ihre Stimmungen und legen nicht selten mancherlei skurrile Eigenheiten an den Tag. Wirken nett, hämisch, schüchtern, selbstbewusst, linkisch, lieblich oder blasiert. Sie entlocken ihrem Betrachter ein fröhliches Lachen, stimmen ihn nachdenklich oder besitzen gar die geheime Macht, ihn durch ihren direkten Blick regelrecht zu hypnotisieren.

Ist diese Ausstrahlung der Puppen nur ein Zufallsprodukt der sie einst formenden und bemalenden Hände oder reflektieren die Gesichter nicht vielleicht auch Wünsche, Träume, Freude, Liebe und Hass, Hoffnung oder Verzweiflung ihrer Schöpfer?

Für zusätzlichen Ausdruck sorgten bespielende Kinderhände, die Spuren des realen Lebens auf den Gesichtern hinterließen, als wären diese nicht starr, sondern aus Fleisch und Blut.