Spielzeug-Blechküchen der 1950er Jahre

Blechküchen

 ©Text/Fotos: Jörg Bohn, zweiteilige Erstveröffentlichung im Sammlermagazin „Trödler“, Hefte 12/2005 und 1/2006 

„Die Küche ist die Werkstatt der Hausfrau, die hier Tag für Tag ihre wichtigste Pflicht tun muss, nämlich für die ihr anvertrauten Familienmitglieder die verschiedenen Mahlzeiten zu erzeugen. Ist es da nicht recht und billig, ihr sich dies ewig wiederholende Tageswerk wenigstens so leicht wie nur irgend möglich zu machen?“

Diese Frage stellt 1956 „Das goldene Buch der Frau“, ein „Buch der modernen Lebensführung“, um sie postwendend selbst zu beantworten: „Den Hausfrauen ist mit jedem ersparten Schritt, mit jedem erleichterten Handgriff und mit jedem arbeitssparenden Gerät geholfen.“ Letztere halten in Form elektrisch betriebener Herde, Kühlschränke und einer Vielzahl kleinerer Maschinen Einzug in die Küchen der Wirtschaftswunderzeit. Das geschieht in Deutschland in einem solchen Umfang, dass diese Zeit im Rückblick als „Elektrifizierung der Haushalte“ bezeichnet wird, obwohl die Erfindung einiger dieser Geräte schon etliche Jahrzehnte zurückliegt. – So erhält beispielsweise der Amerikaner George B. Simpson bereits im Jahr 1859 ein Patent auf den von ihm entwickelten Vorläufer eines Elektroherdes. Da jedoch zu dieser Zeit an den wenigsten Orten eine flächendeckende Stromversorgung vorhanden ist und sein Prototyp darüber hinaus keine exakte Regelung der Temperatur zulässt, bleibt ihm zu Lebzeiten die gebührende Anerkennung versagt. In den 1920er Jahren gelangen die Hersteller dann in den USA durch den Ausbau der dortigen Stromnetze sowie dank einer mittlerweile entscheidend verbesserten Regulierbarkeit der Herde schließlich doch zu stetig steigenden Verkaufszahlen.

Spiel-Herde (hinten v.l.n.r.) Wagner, Märklin, Berkenkamp & Schleuter, vorne links: VEB Gaselan, Berlin
elektrisch beheizbarer (220 Volt) Spielzeugherd / Blechherd der Firma Märklin mit rechteckiger Platte für das "Wasserschiff", 50er Jahre, Maße: 30 x 23 x 23 cm
Zeitschrift "Herd und Scholle" (1950)
Kundenzeitschrift "Der Strom" (1955)

Auch in Bezug auf den Verbreitungsgrad anderer elektrischer Haushaltsgeräte ist man „im Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ dem Rest der Welt voraus. So werden bereits 1926 Kühlschränke am Fließband gefertigt und sind durch den daraus resultierenden günstigen Anschaffungspreis bis zum Ende der 30er Jahre in nahezu 70 % der US-amerikanischen Haushalte vertreten. Parallel dazu gibt es in der Mitte der 1930er auch in Deutschland verstärkt Bestrebungen, die seit Ende des 1. Weltkrieges produzierten, allerdings nur in geringen Stückzahlen verkauften Kühlgeräte zu einem Massenartikel werden zu lassen. Zum einen erhoffen sich die Stromerzeuger dadurch einen höheren Umsatz, zum anderen sind diese Bemühungen politisch motiviert:

Nachdem der „Reichsnährstand“, der nationalsozialistische Bauernverband, errechnet hatte, dass der Volkswirtschaft durch verdorbene Lebensmittel ein jährlicher Schaden in Milliardenhöhe entsteht, startete er eine Kampagne unter dem Motto „Kampf dem Verderb“. Eine für jedermann erschwingliche elektrische Kühlmöglichkeit sollte Abhilfe schaffen. Das „Reichsinstitut für Lebensmittelfrischhaltung“ plante folglich in Kooperation mit den Kühlgeräteproduzenten die Herstellung eines „Volkskühlschrankes“ nach dem Vorbild von Volksempfänger und Volkswagen. Diese Entwicklungen werden jedoch durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges jäh unterbrochen, in dessen weiterem Verlauf alle verfügbaren industriellen Kapazitäten in den Dienst der Rüstungsindustrie gestellt werden.

Nach Beendigung des Krieges ging es für den überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung vorrangig um das nackte Überleben und die Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse. Erst Anfang der 50er Jahre kann durch das Ineinandergreifen von Marshallplan, Währungsreform und unbändiger Leistungsbereitschaft der Menschen in vielen Bereichen von einer sich abzeichnenden Normalisierung des täglichen Lebens gesprochen werden.

Die Einrichtungen der Wohnungen beschränken sich allerdings noch auf das Notwendigste und die Möbelstücke spiegeln in der Regel den Stil der Vorkriegszeit wider. Das stilistische Erscheinungsbild der Küchen dominiert der „Gelsenkirchener Barock“ mit seinen ebenso wuchtigen wie unpraktischen Buffets.

Dabei stellte die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky bereits 1927 die von ihr entworfene sogenannte „Frankfurter Küche“ vor, deren Konzept heute als Vorläufer der modernen Einbauküchen gilt. Konzentration auf reine Funktionalität und Optimierung der Arbeitsvorgänge sowie eine einfache und glatte äußere Linienführung unter Verzicht auf überflüssige verzierende Elemente stoßen bei Experten auf großen Anklang und gelten als richtungweisend für die Zukunft.

Beim Normalverbraucher und damit beim Käufer bleibt ihr jedoch der große Erfolg versagt, da eine wohnlich eingerichtete Küche für das Gros der Bevölkerung traditionell einen gemütlichen Aufenthaltsort für die ganze Familie darstellt.
 
Nichtsdestotrotz lassen sich die arbeitserleichternden Vorzüge dieser bis ins Detail durchdachten Reformküche nicht verleugnen und so fordert 1954 der „Führer durch die gesamte Küche und Hauswirtschaft“ eine durchdachte Modernisierung des „Reiches der Frau“: „Da in den meisten Fällen die Küchenarbeit und ihr äußerlicher Rahmen entweder ganz nach Mutters Rezept übernommen wurde oder sich im Laufe der Jahre eine Reihe feststehender Gewohnheiten herausgebildet hat, sind viele Möglichkeiten vorhanden, neuzeitliche Veränderungen vorzunehmen.“ Veränderungen, die auch im vielfältigen Blechküchenangebot der Spielzeughersteller ihre Entsprechung finden.
Der Herd nimmt in der Küche die zentrale Position ein und stellt das unverzichtbarste aller Arbeitsgeräte dar. Das spiegelt sich auch in den Regalen der Spielwarenhändler wider, in welchen ungezählte Miniaturversionen zu finden sind. Gemeinsam ist den allermeisten dieser Modelle, dass sie mit funktionsfähigen Kochstellen ausgestattet sind und derart ein realitätsnahes Bespielen ermöglichen.
Dies wird entweder durch das Beheizen der Brennstellen mit Trocken-Spiritus ermöglicht oder durch kleine Herdplatten, die getreu dem großen Vorbild durch Zufuhr von Strom erwärmt werden. Da letztgenanntes Funktionsprinzip die Einhaltung gewisser Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit der Elektrizität sowie den Einbau entsprechender technischer Bauteile erfordert, sind Herde dieser Art sehr solide konzipiert und lassen nur in recht begrenztem Maße Modifikationen an der äußeren Form zu. Sie unterscheiden sich daher vor allem in Größe, Anzahl der Kochplatten und Ausstattung, wie z.B. Kontrollleuchten oder einem zusätzlichen Backofen.
Wesentlich aussagekräftiger in Bezug auf die jeweilige Zeit ihrer Herstellung sind dagegen die mit Brennstoff beheizten Herde, welche in den 60er Jahren auch zunehmend in komplette Küchenzeilen integriert werden. Mit diesem oft ansprechend lithografierten, aber dennoch recht einfach herzustellenden Blechspielzeug ohne aufwendiges Innenleben können die Produzenten wesentlich schneller und kostengünstiger auf etwaige Neuheiten in den „echten“ Küchen reagieren und diese in das Miniaturformat übertragen.

Anfang der 50er Jahre sind jedoch zumeist noch unverändert nachgebaute Vorkriegsmodelle in den Lieferprogrammen zu finden. So offeriert die 1864 gegründete und bis 1968 existierende Nürnberger Metallspielwarenfabrik Berkenkamp & Schleuter (B&S) 1950 einen Kohleherd nach altem Vorbild mit großzügig dimensioniertem Ofenrohr zum Rauchabzug.

Berkenkamp & Schleuter, unverändert nachgebautes Nachkriegsmodell
Vermutlich Berkenkamp & Schleuter, ca.1955, mit sich durch ein Aufziehwerk drehendem"Hähnchengrill
Privatfoto (1954)
Ein Löffelchen für Mutti... (1955)
Ein Spielzeugherd als Geschenk zu "Weihnachten 1954"
Privatfoto (1930er Jahre)
Privatfoto (schätzungsweise um 1952)

1954 bewirbt Firma Martin Fuchs aus Zirndorf bei Nürnberg (MFZ) im Fachblatt „Das Spielzeug“ seinen Kinderkochherd Modell Nr. 6065, „als Ergänzung zum bewährten Vorgängermodell, mit einer hohen Rückwand ausgestattet, um dort die bei Kindern so beliebten Zubehörteile unterzubringen“. Dem Modell ist augenscheinlich ein großer Verkaufserfolg beschieden, da es in nahezu unveränderter Form bis in die 70er Jahre immer wieder in den Anzeigen dieser Firma auftaucht. Besondere Erwähnung findet die heutzutage glücklicherweise selbstverständliche „saubere Ausführung, die keine scharfen Kanten aufweist“ und weiter heißt es: „mit Esbit beheizt, ist der Herd vollkommen gefahrlos“. Dies mag durchaus zutreffen, sofern die beiliegenden Sicherheitsvorschriften beherzigt werden, „nie mehr als 1/3 Tablette Trockenbrennstoff zu verwenden, da sonst die Hitzeentwicklung zu stark wird“. In der Realität belegen jedoch häufig vorzufindende geschmolzene Kunststoffteile, dass dieser Empfehlung in vielen Fällen wohl nicht die nötige Gewissenhaftigkeit entgegengebracht wurde.

Martin Fuchs, 1954
Martin Fuchs, 1955

Beim angesprochenen Fuchs-Produkt handelt es sich um das Modell eines Herdes mit einem Kohleteil und zusätzlich mit einem Gas- oder Elektroteil. Eine Kombination, die in den 50ern sehr häufig in den „echten“ Küchen anzutreffen war, insbesondere wenn es sich um Wohnküchen handelte, in der kalten Jahreszeit oftmals der einzige warme Raum in der gesamten Wohnung. Es stellte daher einen willkommenen Nebeneffekt des Kohleherdes dar, dass er in den Übergangs- und Wintermonaten den Raum angenehm temperierte. Zudem konnte man in ländlichen Gebieten anfallendes Brennholz verfeuern und hatte ständig einen Vorrat an heißem Wasser im sogenannten Wasserschiff, einem eingebauten oder entnehmbaren Behälter, welcher als Bestandteil des Gehäuses automatisch mit erwärmt wurde. Da diese Heizleistung umgekehrt bei steigenden Außentemperaturen zu einer unerwünschten Überhitzung führte, wurde im Sommer auf den Gas- bzw. Elektroherd zurückgegriffen. Stellte bis dahin der Gasherd die häufigste Alternative zum Kohleherd dar, begann dank des Ausbaus der Stromnetze sowie Preis reduzierender Massenproduktion Mitte der 50er Jahre der unaufhaltsame Siegeszug des Elektroherdes.

Zu Beginn des Jahrzehntes will dessen Anschaffung jedoch noch wohlüberlegt sein und eines der weit verbreiteten zeitgenössischen Ratgeberbücher empfiehlt den Kauf „nur da, wo der elektrische Strompreis niedrig ist. Sonst kommt das an sich bequeme und in vielerlei Hinsicht vorteilhafte elektrische Kochen doch zu teuer“. In der Tat existieren große Preisdifferenzen bezüglich der Strompreise, abhängig von der Kalkulation des jeweiligen örtlichen Versorgungsunternehmens. Damalige Kraftwerke arbeiten nicht annähernd so effizient wie ihre hoch technisierten Nachfolger in heutiger Zeit und auch die Schaffung neuer, bzw. die Modernisierung bereits vorhandener Versorgungsleitungen schlägt sich auf den Abrechnungen der Endverbraucher nieder, wie das typische Beispiel der Pfälzer Gemeinde Reifenberg aufzeigt.

Kundenzeitschrift "Der Strom", 1955

Aus deren Sitzungsprotokollen der 50er Jahre geht hervor, dass der Stromverbrauch noch recht niedrig war, da in den meisten Haushalten nur Energie für drei bis vier Glühbirnen zur Wohnraumbeleuchtung und eventuell für ein Radio benötigt wurde. Der Preis pro Kilowattstunde liegt 1955 bei 45 Pfennig für Lichtstrom zuzüglich einer monatlichen Zählergebühr von 1 DM monatlich. Alternativ kann ein Tarif gewählt werden, dem als Bemessungsgrundlage die Anzahl der dem Haushalt zugehörigen Räume zugrunde liegt. So sind für zwei Zimmer pauschal 2,30 DM pro Monat zu entrichten, für jedes weitere 0,75 DM. Wahrlich nicht wenig, wenn man berücksichtigt, dass der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst eines Arbeiters in der Bundesrepublik zu dieser Zeit bei knapp 450 DM liegt.

Auch die zunehmende Kaufkraft der Menschen in Westdeutschland lässt sich 1959 am Strombedarf der Gemeinde ablesen: „Der Verbrauch an elektrischer Energie steigerte sich seit 1954 durch Elektroherde, Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockenschleudern sowie in der Landwirtschaft eingesetzte Elektromotoren um weit über 400 Prozent, davon allein in diesem Jahr um 100 Prozent“.

Doch zurück zu den Spielzeugen: Ob sie die Miniaturausgaben von Gas- oder von Elektroherden darstellen sollen, lässt sich nicht immer mit Sicherheit bestimmen. Während ein Kohleherd drei charakteristische Schubfächer besitzt, jeweils für das Nachlegen des Brennmaterials, die Entsorgung der Asche sowie für den Kohlevorrat, sind sich diese beiden alternativen Systeme im äußeren Erscheinungsbild sehr ähnlich.

Eine Ausnahme bildet ein mit einer spektakulären Mechanik ausgestattetes Modell von Berkenkamp & Schleuter aus dem Jahr 1954, welches in Aktion den Eindruck brennender Gasflammen entstehen lässt: „Unter den Feuerstellen befinden sich drehbare Feuersteine, die mit einer Kurbel an der Rückwand der Herde verbunden sind. Zieht man das Uhrwerk auf und stellt die Hähne an, so sprühen die Feuersteine Funken“. Da dadurch das komplette Blechgehäuse in Vibrationen versetzt wird und als Resonanzkörper fungiert, geschieht das Ganze unter beträchtlicher Lärmentwicklung. Darüber hinaus ist diese Mechanik unter anderem auch noch in einem Blechpanzer von Gama wiederzufinden, wo das Betriebsgeräusch mit Sicherheit einen willkommenen Nebeneffekt darstellte.

Bei den Spielzeug-Blechherden überwiegen bis zum Ende des Jahrzehnts die bewährten Kombinationsherde. Sie haben ähnliche Grundformen, unterscheiden sich aber durch verschiedene Ausstattungen. So präsentiert Martin Fuchs 1961 als Neuheit zur 6. Deutschen Spielwarenfachmesse in Nürnberg einen „Puppenherd aus Blech mit zwei Kochstellen, Esbitheizung, Backröhre“ sowie einer in die Rückwand eingebauten verstellbaren Uhr. Berkenkamp & Schleuter begnügen sich mit aufgedrucktem Zeitmesser, bieten aber eine Ablage für Topfdeckel und eine integrierte Spülpfanne lässt sich durch einen Wasserbehälter spiel gerecht befüllen. Offensichtlich wurde auch dieses Modell über einen recht langen Zeitraum hinweg produziert, da das Deckelbild des Originalkartons wesentlich moderner anmutet als der darin befindliche Inhalt.

Höchstwahrscheinlich ebenfalls diesem Hersteller zuzuordnen ist ein weiterer Herd mit Uhrwerk, welches sowohl das auf einem Grill befindliche Plastik-Hähnchen in Drehung um die eigene Achse versetzt, als auch einen Zeiger über die an der Rückwand befindliche Temperaturskala wandern lässt. In Maßstab und Optik zu den gängigen Blechherden passend, hat Martin Fuchs auch Miniaturen von elektrisch betriebenen Kühlschränken in seinem Lieferprogramm.

Spielzeug-Kühlschrank, Martin Fuchs, Zirndorf bei Nürnberg (MFZ), 1955

Da laut demoskopischer Erhebungen die Anschaffung eines Kühlschrankes ganz oben auf den Wunschlisten der bundesdeutschen Bevölkerung steht, fertigt die Firma ab 1954 einen „Puppen-Eisschrank in stabiler Blech-Plastik-Verarbeitung, mit zwei Plastikregalen zum Herausnehmen, einer Eiswanne und Lebensmittel-Attrappen“. Getreu dem großen Vorbild „flammt beim Öffnen eine elektrische Birne auf“.

Originalkarton der eingangs zu sehenden Fuchs-Blechküche Nr. 7045/50, Maße: 43 x 13,5 x 32 cm
Alternativer Schachteldeckel. - Der Karton befand sich schon einige Jahre in meinem Besitz, bevor mir überhaupt auffiel, dass die beiden älteren Mädchen ausgetauscht wurden und nun etwas freundlicher dreinschauen.
Diese Schachtel enthält noch eine zusätzliche Spüle.
Eine Blechküche unter dem Weihnachtsbaum (Privatfoto, 1959)
Hauswirtschaftliches Mädchenspielzeug

Verfügten 1953 erst 9 Prozent aller Haushalte über ein solches Gerät, waren es 1963 bereits 52 Prozent. Der Kühlschrank vereinfacht die Haushaltsführung enorm und verändert den kompletten Tagesablauf der Hausfrau. Musste sie zuvor nahezu täglich einkaufen gehen, wenn sie ihrer Familie frische Produkte auf den Tisch bringen wollte, kann sie nun auch in Bezug auf leichtverderbliche Lebensmittel Vorratshaltung betreiben.

Noch Mitte der 50er Jahre kalkulieren Haushaltsplaner 1 Stunde pro Tag für den Gang ins Lebensmittelgeschäft ein. Zeit, die jetzt gespart wird und insbesondere die Tagesplanung berufstätiger Frauen vereinfacht. Deren Zahl wächst im Laufe des Jahrzehnts permanent, 1960 gehen fast 50 Prozent der weiblichen Bevölkerung einer bezahlten Arbeit nach. Es handelt sich dabei nicht nur um junge unverheiratete Frauen, denen die stetig wachsende Zahl elektrischer Küchenhelfer inzwischen die Aufgabe erleichtert. Auch viele verheiratete Mütter beteiligen sich an der Aufbesserung des Familienetats und tragen dadurch zur schnelleren Komplettierung des Hausrats bei.

Gefriertruhen gehören zu dieser Zeit noch nicht zu dessen Grundausstattung und kommen vorwiegend gewerblich zum Einsatz. Dass ein entsprechendes Fuchs-Modell heute zu den größten Raritäten innerhalb dieses Sammelgebietes zählt, lässt darauf schließen, dass diesem Spielzeug deshalb trotz kindgerecht gestaltetem und ansprechendem Verkaufskarton kein großer Erfolg beschieden war. Bezeichnend auch, dass auf der Deckelillustration als Kühltruheninhalt nicht etwa fertig verpackte Tiefkühlwaren zu sehen sind – die es wohl schlicht und einfach noch gar nicht zu kaufen gab, sondern diverse Nudelgerichte der Firma Birkel…

Ebenfalls selten ist eine Geschirrspülmaschine von Seidel. Zweisprachige Packungsbeschriftung in Deutsch und Englisch sowie die Typenbezeichnung „Dolly“ sprechen dafür, dass sie insbesondere für den Export hergestellt wurde.

Fuchs 7010, Karton 18 x 14 x 31 cm
Martin Fuchs / Zirndorf (MFZ), Karton 32 x 14 x 31,5 cm

Während bislang die „großen“ Küchen in der Regel Stück für Stück ergänzt wurden, soweit es die jeweilige finanzielle Situation zuließ, können sich dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs Anfang der 60er Jahre immer mehr Menschen den Kauf komplett ausgestatteter Einbauküchen leisten. Dabei ist es erst gut 10 Jahre her, dass über die Hälfte der Haushalte sich eine Kochstelle mit anderen teilen musste.

Aus einem Möbelkatalog (1965)

Während bislang die „großen“ Küchen in der Regel Stück für Stück ergänzt wurden, soweit es die jeweilige finanzielle Situation zuließ, können sich dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs Anfang der 60er Jahre immer mehr Menschen den Kauf komplett ausgestatteter Einbauküchen leisten. Dabei ist es erst gut 10 Jahre her, dass über die Hälfte der Haushalte sich eine Kochstelle mit anderen teilen musste.

Durch die Zerstörung von über 20 % aller Wohnungen und gleichzeitigem Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen standen im Jahr 1950 statistisch gesehen drei Haushalten lediglich zwei Wohnungen zur Verfügung.

„Die bedrückende Enge des durch die jeweiligen Ämter zugeteilten Wohnraums und der Zwang zur Gemeinschaft mit fremden Menschen ließen die Wiedererlangung und Sicherung privater Häuslichkeit zum zentralen Ziel der Westdeutschen werden“ (Informationen zur politischen Bildung, Heft 256). In Angriff genommen wurde dies vorrangig durch den Bau von staatlich subventionierten Sozialwohnungen. Dabei hatte aufgrund des immensen Bedarfs die Schaffung möglichst vieler verschiedener Wohneinheiten oberste Priorität, sodass Abstriche bezüglich Größe und Ausstattung in Kauf genommen werden mussten. Anfangs standen einer vierköpfigen Familie durchschnittlich knapp 50 Quadratmeter zur Verfügung, was in den allermeisten Fällen dennoch eine erhebliche Verbesserung der zuvor erlebten Wohnsituation darstellte. Obwohl noch lange nicht bei allen Menschen die dringlichsten Bedürfnisse befriedigt waren, wuchsen im weiteren Verlauf der 50er Jahre mit den Einkommen der Besserverdienenden auch deren Wünsche. Das 1956 verabschiedete „Zweite Bundeswohnungsbaugesetz“ förderte durch erhebliche steuerliche Vergünstigungen die Bauwilligen und 1963 besaßen bereits mehr als ein Drittel der Haushalte Wohneigentum, nicht selten das viel zitierte „kleine Häuschen“ im Grünen. Die Verkleinerungsform ist in diesem Fall durchaus berechtigt, da die Wohnflächen aus Kostengründen recht kompakt bemessen waren. Gespart wurde insbesondere bei der Planung der Küche, sodass die laut DIN-Norm als ausreichend erachteten 6,5 Quadratmeter Grundfläche für den „Kommandostand des Hauses“ eine gängige Größe darstellten. Ein Umstand, dem der zeitgenössische Einrichtungsratgeber „Unsere Wohnung“ durchaus etwas Positives abgewinnen kann: „Die aus der Not der Nachkriegsjahre und den Notwendigkeiten, so schnell und so sparsam, also auch raumsparend wie nur möglich zu bauen, entstandenen Kleinst-Küchen haben den nicht zu unterschätzenden Vorteil, weite Kreise zur sinnvollen Einrichtung der Küche zu zwingen und sie so auf den Geschmack an der arbeitsintensiven Küchengestaltung zu bringen“.

Die vor dem Krieg übliche individuelle Anordnung einzelner Einrichtungskomponenten wie Anrichten, Schränken und Sitzmöbel ist nun aus Platzgründen mehrheitlich nicht mehr zu realisieren, der vorgegebene Grundriss muss in die Gesamtkonzeption mit einbezogen werden. Die Lösung stellen Einbauküchen dar, deren Elemente durch eine standardisierte Höhe von 85 cm und eine Tiefe von 60 cm untereinander kompatibel sind. Sie können so den räumlichen Gegebenheiten angepasst werden und bilden im Grunde eine Art Innenhaut, einen regelrechten „Raum im Raum“.

Möglich ist der Aufbau an einer einzigen Wand oder gegebenenfalls in L- oder U-Form, beachtet werden sollte jedoch der „natürliche Arbeitsrhythmus der (rechtshändigen) Hausfrau“. So empfiehlt Gertrud Oheims „Praktisches Haushaltsbuch“, dass „Wasserstelle, Arbeitsplatte und Herd zweckmäßigerweise in einer Reihe von links nach rechts nebeneinander liegen. Denn die Arbeitsvorgänge beim Kochen spielen sich, wie jede Frau nachprüfen kann, immer in der Richtung vom Wasserhahn nach dem Herd ab.“

In der zeitgemäßen Küche gibt es keine toten Winkel mehr, jeder Kubikzentimeter Raum im Inneren der Schränke wird sinnvoll genutzt. An die Unterseite der Arbeitsplatte montierte Brotschneidemaschinen, die sich bei Bedarf ausklappen und nach Gebrauch ebenso einfach wieder verstauen lassen, ausschwenkbare Waagen, versenkbare Küchenmaschinen und Klapptische versuchen die Platznot vergessen zu machen, erleichtern darüber hinaus die tägliche Hausfrauenarbeit und lassen sie zugleich effizienter werden. „Man wird Sie um diese Küche beneiden“, verspricht die Poggenpohl-Küchenfibel, „und Sie werden mit Freude darin für Ihre Lieben tätig sein. Sie ist eine wahre Zauberküche.“

Blechküche von Michael Seidel mit eletrisch (220 Volt!) beheizbaren Herdplatten
Michael Seidel Spiel- und Metallwarenfabrik "Messe-Neuheiten 1961"
Michael Seidel "Moderne Schwedenküche MS 803"

Mit an einer lithografierten Blech-Rückwand befestigten Miniaturen von Elektro-Großgeräten und Schränken jeweils nach ähnlichem Grundprinzip aufgebaut, unterscheiden sie sich doch erheblich in Ausstattung und Design. Besonders Fuchs und Seidel beherzigen in der Gestaltung ihrer Spielzeuge eine Forderung des praktischen Haushaltsbuches: „Die Schönheit der Küche ist ihre Zweckmäßigkeit. Das schließt aber nicht aus, dass sie zusätzlich eine persönliche Schönheit aufweisen kann, die ihr die Kühle eines Laboratoriums nimmt: eine bunte, farbenfrohe Fensterumrahmung, ein kleiner Krug mit Blumen oder im Farbton glücklich ausgewählte Wand- und Fußbodenbeläge.“ Darüber hinaus kommt die Küchenfibel zu der Erkenntnis, dass „eine farbige Ausgestaltung des Raumes positiv auf die Arbeitsfreudigkeit der Hausfrau einwirkt“.

Durch Abbildungen von Vasen mit bunten Phantasieblumen und im Stil der Zeit gemusterte Vorhänge sowie durch farbige Vorratsschütten und Schranktüren werden diese Vorgaben im Miniaturformat verwirklicht und tragen zum gefälligen harmonischen Gesamteindruck der Blechküchen bei. Fast alle besitzen zudem Fenster, die einen Ausblick auf die „unmittelbare Nachbarschaft“ gewähren und Rückschlüsse darüber zulassen, in welcher imaginären Wohngegend der Hersteller sein Produkt angesiedelt wissen möchte.

Bei Fuchs fällt der Blick des aufmerksamen Betrachters auf ein kleines Mädchen, das freudig seinen offensichtlich gerade von der Arbeit heimkehrenden Vater begrüßt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist eine geschlossene Reihenhausfront erkennbar, im Vorgarten stützt ein Pflock einen frisch gepflanzten Baum. Bezieht man das am Straßenrand geparkte und aufgrund seiner Größe der gehobenen Mittelklasse zuzuordnende Auto in seine Betrachtungen mit ein, ergibt sich als Gesamteindruck das Bild einer jungen Familie, die es bereits „zu etwas gebracht hat“ und sich ein Eigenheim in der Stadtrandsiedlung, einen PKW sowie eine moderne Einbauküche leisten kann.

Finanziell sogar noch etwas besser gestellt scheinen die fiktiven Bewohner der Küchen von Seidel und GÖSO zu sein, da deren Fenster den Blick auf alten Baumbestand, unverbaute Landschaft und sogar einen Swimmingpool im Innenhof freigeben.

Mögen die ansprechenden Illustrationen auf den Rückwänden auch den Kaufimpuls schenk williger Eltern auslösen oder die kindliche Phantasie anregen, sind sie dennoch nur schmückendes Beiwerk. Hauptverantwortlich für die große Beliebtheit von derartigen Blechküchen ist letztlich ihre realitätsnahe Bespielbarkeit. Diese beschränkt sich nicht nur auf die beheizbaren Herde, sondern beginnt bereits damit, dass die oftmals im Lieferumfang enthaltenen Töpfe und Geschirre in die Miniaturschränke eingeräumt und bei Bedarf wieder herausgeholt werden können.

„Leicht verderbliche“ Essensvorräte finden ihren Platz im Kühlschrank und nach beendeter Mahlzeit kann das schmutzige Geschirr im durch einen Mini-Boiler mit Wasser befüllbaren Spülbecken abgewaschen werden. Auf einigen der kleinen Warmwasserbereiter findet sich Firmenlogos damals marktführenden Hersteller „echter“ Boiler – ein Beispiel für Product-Placement und den Versuch frühzeitiger Markenbindung im Kinderzimmer.

Besonderer Clou bei GÖSO ist eine Waschmaschine, die mit Puppenkleidung und Wasser befüllt werden kann. Sie besitzt noch keine der heute üblichen rotierenden Trommeln, die Wäsche im Inneren wird vielmehr durch eine vom Kind zu betätigende „mechanische Bewegungseinheit“, den sogenannten Wirbler, bewegt.  Beobachtet werden kann dieser Vorgang durch die in die Frontpartie eingebaute Nachbildung einer hochmodernen gläsernen Befüllungstür.

Spielküche GÖSO, 1964
Christian Götz & Sohn Metall- und Plastikspielwarenfabrik, Messewerbung 1964
GÖSO, 1967
GÖSO, 1961
GÖSO, 1967

GÖSO fertigt nach dem Baukastenprinzip und liefert seine als „neu-modern-formschön“ beworbenen Anbau-Küchen sowohl komplett mit einer durchgängigen Rückwand, als auch in einzelnen Funktionselementen. Auf diese Weise können die verschiedenen Komponenten von den Kindern zur individuellen Wunschküche zusammengestellt werden. Durch verbindende Eckschränke ist sogar der Aufbau in L- oder U-Form möglich. Auch für den Hersteller bietet diese Verkaufspolitik Vorteile. So ist es sehr wahrscheinlich, dass bei einem beschenkten Kind, welches Gefallen an dem Spielzeug findet, in Zukunft weitere Ergänzungsteile auf dem Wunschzettel zu finden sein werden.

Viele der in die Küchen Einzug haltenden Neuerungen kann man in den Blechküchen wiederentdecken. So tauchen 1963 erste Dunstabzugshauben auf und innerhalb der Rückwandillustrationen kann man Wanduhren mit integrierten Kurzzeitmessern, den sogenannten Eieruhren, sowie elektrische Küchenmaschinen ausmachen.

Fuchs, 1969
GÖSO, 1968

Fuchs bildet die Ende der 60er Jahre beliebten Kunststoff-Fronten in Holz-Optik nach, ein geschmacklich recht zweifelhafter, kommerziell jedoch sehr erfolgreicher Versuch der Küchenhersteller, auf diese Weise die Gemütlichkeit in die Küchen zurückzuholen.  

Die Grundrisse der neu gebauten Wohnungen werden mittlerweile wieder großzügiger bemessen und das Maß aller Dinge bilden Küchen mit integrierter Sitz- und Essecke, die durch einen halbhohen Raumteiler vom Arbeitsbereich abgegrenzt wird. Auf diese Weise „werden viele Wege beim Anrichten und Abräumen gespart; die dort spielenden Kinder bleiben unter Aufsicht und die Hausfrau wird angeregt, sich einige Minuten der Entspannung zu gönnen“ (Küchenfibel).

Im Spielzeugbereich sind in den ausklingenden 60er und beginnenden 70er Jahren verstärkt Produkte von Johann Schopper zu finden, der mit seinem Design augenscheinlich am besten den Zeitgeschmack trifft.

Spielküche Johann Schopper

Auch die Kooperation mit dem Küchenhersteller Bauknecht erweist sich als verkaufsfördernd und lässt, da 1976 begonnen, zudem eine zeitliche Einordnung derart gemarkter Blechküchen zu.

"Schopper Küche im Bauknecht Stil"
"Mit viel Spielwert - sicherheitsgerecht verarbeitet - giftfreie Farben"
Schopper "Modell Küche im Bauknecht Stil"
"Was die Bauknecht-Komplett-Küche für die Mutti ist, ist die Schopper Modell-Küche für das Kind"
In der DDR nahmen die Dinge bekanntlich sowohl politisch als auch wirtschaftlich einen anderen Lauf. In vielen Lebensbereichen klaffen große Lücken zwischen Anspruch („Unsere Republik zählt zu den führenden Industrienationen der Erde“) und Wirklichkeit („Nicht Fernsehgerät und Musiktruhe sind die notwendigsten Gegenstände. Der Tauchsieder, mit dem wir uns rasch den Morgenkaffee bereiten, wird zu Anfang weitaus dringender benötigt“). Genauso wie im Westen ist man bestrebt, den Haushalt durch Elektrifizierung zu vereinfachen. Beweggründe sind jedoch, die Arbeitskraft der Frau nicht länger durch den Haushalt zu binden, sondern stattdessen „als wertschaffende Kraft für unser Wirtschaftsleben zu gewinnen“. Auch ästhetische Gesichtspunkte spielen eine große Rolle: „Wenn ich zwischen zwei leistungsmäßig gleichen Geräten zu wählen habe, kaufe ich das modernere und formschönere, das sich meinen modernen Einrichtungsgegenständen vorzüglich anpasst“ ( Quelle: Unser Haushalt, Verlag für die Frau, Leipzig 1964).
Funktionell in der Regel durchaus gehobenen Ansprüchen gerecht werdend, wirken viele DDR-Produkte bezüglich ihrer äußeren Erscheinung, von wenigen Ausnahmen abgesehen, denn doch eher „rustikal“. Dies spiegelt sich auch im entsprechenden Küchenspielzeug wider, bei dem solide Verarbeitung oberste Priorität besitzt. So bringt eine 1971 von William Kreher KG aus Olbernhau fabrizierte Blechküche mit Herd und Spüle durch Verwendung von extra dickem Blech und weitestgehendem Verzicht auf „Plaste“ ein Gesamtgewicht von stolzen 1,6 Kilogramm auf die Waage.
Ähnlich massiv gefertigt sind die „Kinderkochherde“ eines weiteren nennenswerten DDR-Herstellers, der Blechspielwarenfabrik Gustav Fischer aus Zöblitz im Erzgebirge (Efzet).
Spielküche Efzet, um 1965, DDR
Spielküche, William Kreher, Olbernhau, 1973, DDR
Spielküche, William Kreher, Olbernhau, 1973, DDR
Auf diesem privaten Schnappschuss ist eine Kreher-Küche im Hintergrund zu sehen. Das Kind spielt aber lieber mit dem Selbstbau-Herd.
Privatfoto um 1970

Ideologische Grenzen überwindend werden die Erzeugnisse der beiden genannten sowie vieler weiterer Firmen in das kapitalistische Ausland exportiert und sind dadurch willkommene Devisenbringer. Gemeinsam ist den Produkten aus Deutschland-Ost und Deutschland-West zudem der pädagogische Auftrag, welchen Lehr- und Lernspielzeug wie dieses vermitteln soll: Den Nachahmungstrieb der Kinder wecken (hier speziell den der Mädchen), eine Vertrautheit mit Geräten und Vorgängen in der Küche schaffen, um durch daraus resultierende Erfolgserlebnisse sowie den Spaß am Spiel letztlich zu einer positiven Belegung des Begriffes Arbeit zu gelangen.

Hauswirtschaftliches Blechspielzeug erfreute sich seit jeher und insbesondere in der Nachkriegszeit großer Beliebtheit sowohl bei Schenkenden als auch bei den Beschenkten. Durchaus kein Billigprodukt, kostete 1960 beispielsweise eine Fuchs-Blechküche inklusive Herd, Spüle und Zubehör im Geschenkkarton ca. 20 DM. Dies entspricht in etwa dem Preisniveau eines mittelgroßen Kinderkaufladens aus Holz oder einer tapezierten Zwei-Raum-Puppenstube mit Dachterrasse und Blumenfenster.

Wenn das kindliche Interesse erlahmte, wurde das Spielzeug daher in der Regel nicht einfach entsorgt, sondern für nachfolgende Kinder im Keller oder auf dem Dachboden eingelagert. Dort vielfach in Vergessenheit geraten, hielt und hält es seinen Dornröschenschlaf und ist heute verhältnismäßig häufig auf Flohmärkten, Sammlerbörsen und bei Internetauktionen anzutreffen. In der Regel intensiv bespielt und häufig zusätzlich korrodiert, befindet sich der überwiegende Teil in mäßigem bis schlechtem Zustand, ist dafür aber auch für wenige Euro zu erstehen. Gerade bei Internetauktionen übersteigen die Versandkosten oft den Zuschlagspreis. Neuwertige Spielzeuge im Originalkarton sind recht selten, übersteigen dennoch nur in wenigen Ausnahmefällen die 50 Euro Grenze. Alles in allem handelt es sich um ein aussagekräftiges, dennoch vergleichsweise preisgünstig und schnell zusammenzutragendes Themengebiet, das auch für Einsteiger gut geeignet scheint.

Wer sich zudem bewusst macht, dass es sich dabei ursprünglich nicht um für Vitrinen produzierte Miniaturen, sondern um Kinderspielzeug handelt, kann sich vielleicht auch mit bespielten Objekten anfreunden und sie als sammelwürdig erachten. Zwar steht unbespieltes Spielzeug bei vielen Sammlern hoch im Kurs, hat im Grunde aber seinen eigentlichen Daseinszweck verfehlt.  

Riesiger Blechherd der Firma Berkenkamp & Schleuter um 1965. Der Grill dreht sich und wird elektrisch beleuchtet und dank einer Pumpe gibt es fließendes Wasser. Maße: 60 x 24 x 36cm.

Diesen Blechherd der Firma Schopper mit der heimeligen Mutter-Tochter-Szene gab es offenbar in mehreren Varianten. Bei der unten zu sehenden Version liegt ein Hängeschrank bei, der mittels Blechlaschen an der Rückwand eingesteckt werden kann.

Spielzeugherd der Firma Johann Schopper: ein moderner Herd...
...in einer Verpackung mit altbackenem Frauenbild: Mit Schürze und Kopftuch.
Göso-Blechküche mit Klapptisch
Spielküche OVP Keim Plastic GmbH
Spielküche OVP Berkenkamp & Schleuter
Marx Modern Toy Kitchen Set – Große amerikanische Blechküche "Pretty Maid" mit Geschirrspülmaschine und Kühlschrank, vor 1959, Maße: 65 x 13 x 30 cm
Spielküche Martin Fuchs
Martin Fuchs, Nr.7040

Michael Seidel: „Electro-Combi-Herd“, „Elektrische Herdplatte für 110 und 220 Volt“. „Handkurbel für Wasserpumpe“