Puppenstuben und Puppenhäuser der 50er und 60er Jahre

Bungalow, um 1958/60, Einrichtung „original“

Zur Begriffserklärung: Wenn auf meinen Seiten Puppenhaus-Einrichtungen als 100 % original deklariert sind, bezieht sich dies nicht auf irgendwelche Hersteller, sondern darauf, dass ich die entsprechenden Objekte mit eben dieser Einrichtung unverfälscht aus den Händen der ehemaligen Besitzer bekommen habe. – Wenn ich mir die verschiedenen Puppenhaus-Foren im Netz (unter denen es einige hervorragende gibt) so betrachte, bemerke ich immer mehr den Trend, jedes noch so kleinste Fitzelchen einem Hersteller zuordnen zu wollen. Daran, dass solche Informationen weiterführend und wichtig sind, besteht natürlich kein Zweifel. Als noch wichtiger empfinde ich es jedoch, zu dokumentieren, in welcher Form die Häuser und Stuben seinerzeit von den Kindern bespielt wurden, da dies eine hohe Aussagekraft bezüglich damaligem Geschmacksempfinden besitzt und den „Zeitgeist“ spiegelt. Denn die wenigsten Wohnungen der 50er und 60er Jahre waren in der Realität „stilecht“ eingerichtet. Und eben darum ist für mich auch – und gerade! – eine bunt zusammengewürfelte und womöglich über einen längeren Zeitraum zusammengesammelte Einrichtung „original“.

Bungalow, Hersteller wohl Elfriede Lipfert, Maße ca. 70 x 44 x 24 cm
Die Schlafzimmer-/Wohnzimmer-Möbel dieses Hauses in einem Spielzeugkatalog aus dem Jahr 1959

Dieses Puppenhaus war seinerzeit übrigens das Allererste seiner Art, das den Weg in die Sammlung gefunden hat und besitzt für mich deshalb einen ganz besonderen Stellenwert! Die Tochter der Besitzerin hatte kein Interesse daran und wollte lieber eine Babypuppe haben. Deren Gegenwert hat sie dann im Tausch gegen das Haus von mir bekommen und so waren schließlich alle Beteiligten zufrieden. Und ich bin es bis heute geblieben!

Auch diese Puppenstube, für die ich mich ganz herzlich bei Britta (Jahrgang 1961) bedanke, ist "original" eingerichtet – und dafür gibt es sogar ein Belegfoto:-) Britta durfte (musste) anfangs noch die Wohnzimmermöbel ihrer Mutter zum Spielen nutzen. Später wurden diese dann durch eine zeitgemäßere Einrichtung ersetzt.

Kinderzimmer sind eine Seltenheit in der Puppenhauswelt. Der Grund offenbart sich, wenn man Möbelkataloge der 1950/60er Jahre durchblättert: Abgesehen von Gitter- und Stockbetten sowie schülergerechter Schreibtische werden dort so gut wie gar keine speziellen Kinderzimmermöbel angeboten. Wenn spielende Kinder zu sehen sind, dann in der Küche oder im Wohnzimmer. – Für diese tolle Puppenstube bedanke ich mich ebenfalls bei Britta! 

Kinderzimmer aus einem Möbelprospekt von 1965

Puppenstube eines Schlagerfans mit „Postern“ von Roy Black, Thomas Fritsch und Wencke Myhre. Originales Zeitzeugnis, nichts verändert oder hinzugefügt! Maße: 59 x 30 x 23 cm  

Moritz Gottschalk, um 1950, aufwendig elektrifiziert, Einrichtung und Bewohner original, Maße 79 x 33 x 48 cm

Dem aufmerksamen Besucher des virtuellen Museums ist möglicherweise aufgefallen, dass es diese beiden fotogenen Jungen bereits an anderer Stelle zu sehen gab. Dort waren sie jedoch lediglich für eine Fotosession zu Besuch. Ursprünglich gehören sie in dieses Puppenhaus! Im Übrigen gehört das Haus zu den Lieblingsspielzeugen meiner Nichte, die mitunter recht überraschende Spielideen entwickelt. Das Wichtigste aber: Zuallererst müssen jedes Mal aufs Neue die beiden spielenden Jungen ins Bett, schließlich „haben die schon die Schlafanzüge an“.

Gehäuse Moritz Gottschalk, Maße: 82 x 37 x 30 cm

Wenn man Puppenstubenszenen selbst arrangiert, ist der Grat zwischen Kitsch und Kunst in der Regel sehr schmal und bei dieser Hochzeitsgesellschaft ist die Grenze zum Kitsch sicherlich überschritten. Egal! Das Einrichten hat Spaß gemacht, zeittypisch ist es trotzdem und „erlaubt ist, was gefällt“ – sofern es entsprechend deklariert wird. – Gehäuse: C. Moritz Reichel, Maße: 85 x 40,5 x 28 cm (ohne Terrasse).

Ich konnte einen Katalog erstehen, in dem als Hersteller dieses Gehäuses die „C. Moritz Reichel KG Holzspielwarenfabrik – 9341 Niederlauenstein/Erzgebirge“ (DDR) angeführt ist. Da Machart der Terrasse und insbesondere das prägnante Geländer mit dem der darüber zu sehenden Stube identisch sind, habe ich diese demselben Hersteller zugeordnet. – Rechts: Deutschland-Ost und Deutschland-West harmonisch vereint: das Reichel Puppenstubengehäuse bestückt mit Wohnzimmermöbeln der Crailsheimer Spielwarenfabrik. – Entdeckt in einem Spielzeugkatalog aus dem Jahr 1957.

Diese Dreiraum-Puppenstube gehört zu meinen Lieblingen, da sie eines der allerersten Objekte in der Sammlung war. Seinerzeit gefunden auf dem Trödelmarkt in Duisburg-Wedau:-) Die Einrichtung wurde von mir nachträglich zusammengestellt, damals habe ich auch noch einfach drauflos renoviert: Der Wohnzimmerteppich besteht aus einem Stück Wachstuch-Tischdecke. Maße: 121 x 42 x 31 cm

Immer wenn ich diesen unberührten Berliner Kellerfund sehe, kommt mir der Begriff „heimelig“ in den Sinn. – Die untere Etage besteht aus zwei zusammengesetzten einzelnen Stuben, die obere Etage wird mit Haken fixiert und lässt sich abnehmen. Eventuell wurde die Stube derart zu einem späteren Zeitpunkt erweitert? Zu datieren ist das Ganze wohl in die späten 40er / frühen 50er Jahre (Herd „Made in US-Zone“) samt einigen älteren (z.B. Waschtisch) und einigen jüngeren Elementen (Toilette von der Firma PLASTY). – Maße: 86 x 26 x 48 cm  

„Die gute Stube“ mit dunklen Möbeln und monströsem Musikschrank „mit allen Schikanen“ inklusive ausklappbarem Plattenspieler und der obligatorischen Hausbar. Wie so oft in den frühen 50er Jahren ist der stilistische Einfluss der 1930er noch allgegenwärtig. Maße: 66 x 30 x 25 cm.

Zweiraum-Puppenstube, 100 % originale Bestückung, Maße: 70 x 31 x 22 cm

„Eine Wohnung wie die Mutti möchte das kleine Mädchen haben. Dabei freut es sich bestimmt auch an einer schöneren und vollkommeneren Einrichtung. Wir brauchen uns also keinesfalls zu sagen: solange wir um den alten vierbeinigen Eichentisch sitzen, kann ich doch meiner Sabine nicht diese hübschen Puppenmöbel bauen. O doch, wir können die Puppenwohnung getrost mit den modernsten Möbeln ausstatten.“ – Aus „moderne Puppenmöbel selbstgemacht“, einer Anleitung zum Bau von Puppenstubenmöbeln (1955)

Als ich dieses Gehäuse aus bedruckter Presspappe vor einiger Zeit in einem alten Versandhauskatalog entdeckte, wollte ich dies zum Anlass nehmen, mein eigenes Exemplar entsprechend einzurichten. Leider stellte sich heraus, dass bei meiner Stube das Küchenfenster auf der „falschen“ Seite ist und die Crailsheimer Küche auf dem Katalogfoto daher leider nicht passt.

Puppenhaus, DDR, um 1960, Maße 68 x 34 x 26 cm. Trotz diverser Fehlteile mag ich dieses Haus ganz besonders, handelt es sich doch um das Zweite überhaupt, das in die Sammlung kam. Die Besitzerin hatte es auf dem Dachboden gelagert und beim Säubern fand ich Spuren von Mäusen – seitdem ist es für mich „Das Mäusehaus“.