Moderne Puppenhauswelt

Zerlegbares "Puppenhaus Seeblick", VERO Olbernhau, DDR, um 1968/70, Maße: 75 x 49 x 47 cm

„Plattenbau-Hochhaus“, 1966, VERO, DDR. Maße: 47 x 40 x 91 cm

Die Experimental-/Dokumentar-Filmemacher Anja Dornieden und Juan David Gonzalez Monroy gestalteten ein Projekt zum Thema „DDR-Puppenstuben“ und bannten dazu unter anderem mein „Hochhaus“ auf Film: „Eigenheim“. – Auch der Berliner Tagesspiegel interessierte sich für das „DDR-Hochhaus“ (Wochenendbeilage vom 17.12.2006), das seinerzeit noch teilweise anders eingerichtet war. Mittlerweile ist auch das Interieur 100 % DDR.

Zwei Abbildungen, die Parallelen zum „Hochhaus“ aufweisen: „Kinderkalender 1971“ sowie „Unser Wohnhaus“, „Ein Ausschneidebogen nach dem Baukastenprinzip“

Bewohnt wird das Hochhaus von den in der DDR weit verbreitet gewesenen ARI-Puppenstubenpuppen (August Riedeler, Königssee). – Hersteller der Wohnzimmer- und Küchenmöbel: VEB Puppenmöbelwerk Seiffen

Puppenhaus-Bungalow, VERO, DDR, Maße: 75 x 48 x 26 cm. – Ein ganz ähnliches Puppenhaus ist im Quelle-Katalog Herbst/Winter 1968/69 zu finden: „Puppenhaus im Bungalow-Stil, stabile Holzverarbeitung. Zwei Zimmer in den Größen ca. 37 x 28 cm und ca. 32 x 28 cm. Vorderfront mit starken Glasschiebetüren, verschliffen. Gesamtlänge ca. 75 cm, Höhe ca. 25 cm. Ohne Puppen-Gartenmöbel DM 29,80“.

Toller Bungalow der Firma Moritz Gottschalk, der mich von der Bauart her ein bisschen an Mies van der Rohes „Neue Nationalgalerie“ in Berlin erinnert. Leider ist dem Hersteller die Fensterfolie zu dünn geraten, sodass sie schnell Risse und letztlich Fehlstücke aufweist. Sicherlich mit ein Grund, warum dieses fast nur aus Fensterflächen bestehende Haus nicht mehr oft zu finden ist.

Puppenhaus Nr. 159/8 von Kibri

„Puppenhaus Nr. 159/8“ von Kibri (1961) in tollem 60er-Jahre-Design, Maße 100 x 43,5 x 53 cm, Gesamtgewicht deutlich über 20 kg. Das Bild stammt ebenso wie folgende Information aus dem beiliegenden Begleitheft: „Das Puppenhaus für die Kinder unserer Zeit – Ergebnis eines von der Firma Kindler & Briel, Böblingen, unter den Studenten der Staatlichen Hochschule für bildende Künste (Werkakademie) Kassel veranstalteten Wettbewerbs.“

Die freudestrahlende „Vorbesitzerin“ Sabine bekam die erste Etage Weihnachten 1963, die zweite lag dann ein Jahr später unter dem Weihnachtsbaum. Bei der Gelegenheit: Danke für das Foto und herzlichen Dank auch für die überaus freundlichen Auskünfte zur Historie des Hauses!

„Das Puppenhaus war in früheren Zeiten ein beliebtes Spielgerät in der Kinderstube. In unserer Zeit hingegen, in der so häufig von der Bedeutung des Wohnens, von der guten Form und von der Qualität der Möbel die Rede ist, sieht man selten ein gutes Puppenhaus, es sei denn, dass es Vater oder Mutter für ihre Kinder selbst angefertigt haben. Allerdings wird auch ein Puppenhaus, das dem Wohngefühl unserer Zeit entsprechen soll, wesentlich anders aussehen, als die aus früheren Zeiten überlieferten Beispiele. Es sollte dem Prinzip der Einraumwohnung entsprechen, die nicht durch feststehende Wände in unveränderliche Wohneinheiten aufgeteilt ist, sondern durch das Verstellen der Möbel, aus denen die Wände gebildet werden, eine ständige Veränderungsmöglichkeit der Zimmer nach Größe und Form des Grundrisses erlaubt. In dieser Hinsicht bot das alte Puppenhaus wenig Spielraum. Man konnte wohl die Möbel verstellen, aber nicht die Räume verändern. Das hier gezeigte neue Puppenhaus bietet dagegen zahlreiche Veränderungsmöglichkeiten. Man kann die Außenwände verschieben und auswechseln, sodass immer neue Farbzusammenstellungen entstehen. Gute Maßverhältnisse und die Auswahl solider Werkstoffe sollen im Kind das Empfinden für Qualität der Formen und Farbzusammenstellungen wecken und in ihm den Spürsinn entwickeln, der das Massenangebot schlecht geformter Gegenstände aus minderwertigem Material ablehnt.“ (kibri-Begleittext)

Wohnzimmer. Augenscheinlich ist das Puppenhaus samt Möbeln nahezu komplett, allein die im beiliegenden Begleitheft zu sehenden „Teppiche“ fehlen. Ich vermute (und die ehemalige Besitzerin hat’s bestätigt) dass sie, wie seinerzeit häufig zu finden, aus Schaumgummi (bzw. „gummiartigem Material“) bestanden und im Laufe der Zeit zerbröselt sind. An der Rückwand kann zudem eine Gardinenstange befestigt werden. Die bei meinem Haus beiliegenden Gardinen sehen professionell aus, wurden aber selbst genäht. Ob es Gardinen als originales Zubehör gab, habe ich bislang noch nicht herausgefunden. Auf jeden Fall habe ich bei diesen Fotos erst einmal Gardinen und die noch vorhandenen Einrichtungsaccessoires weggelassen, um das „pure“ Haus zu zeigen. – Die verschiebbaren Wandelemente sind beidseitig beklebt. Auf einer Seite mit kindlichen Motiven, auf der anderen mit einer stylischen 60er-Jahre-(Klebefolien-)Tapete

Selbst die Anordnung der Möbel in den Schachteln ist ein Design-Leckerbissen. Es gibt insgesamt vier verschiedene Packungen mit Möbeln

Aus dem Neckermann-Versandhauskatalog Herbst/Winter 1966/67: „Neckermann-Eigenheime für Püppchen“ – links: „Bungalow. Ein ganz modernes Puppenhaus mit 3 Zimmern und Veranda – 19,90.-„

Plastik-Bungalow zum Zusammenbauen, Variante mit Springbrunnen, um 1964, Einrichtung 100 % original. Maße: 73 x 46 x 24 cm. Hersteller: Häfner & Krullmann „Plastik-Puppenmöbel, Puppen-Bungalows, Fenster und Türen für Puppenstuben“

Originalkarton, Maße: 50 x 31 x 12 cm – "Moderner Puppen-Bungalow – Blumenfenster – Terrasse mit Springbrunnen – Wohnzimmer-Glasfront – Fernseh-Antenne" – "Bungalow 3 x so groß wie dieser Karton! Einfacher und fester Aufbau durch 10 Schrauben!"

„Moderne Puppenstube mit zwei Fenstern, einem Buntglasfenster und einer beweglichen Tür, aufgebaut: 72 x 26 x 22 cm, zusammengelegt im Karton: 49 x 27 x 5 cm. Einfacher und fester Aufbau durch 12 Schrauben. Häfner und Krullmann, 4811 Leopoldshöhe“ (aus einer Anzeige in „Das Spielzeug“, September 1964). – Puppenstube von Häfner & Krullmann, Möbel: Crailsheimer Spielwarenfabrik (Neckermann-Katalog, 1967).

Crailsheimer Spielwarenfabrik, modernes Puppenhaus-Schlafzimmer
Crailsheimer Spielwarenfabrik, modernes Puppenhaus-Wohnzimmer

Die „Villa Hogarin“, tolles „modern dollhouse“ aus spanischer Produktion, wahrscheinlich späte 60er / frühe 70er Jahre, rundum mit Schiebetüren aus Plexiglas. Die Stromleitungen sind bereits verlegt, die Lampen brauchen nur noch eingesteckt zu werden. Maße: 75 x 54 x 33 cm

„Villa Hogarin“ auf dem Titelbild eines vermutlich aus dem Jahr 1972 stammenden Spielzeugprospekts, eingerichtet mit Möbeln der Firma Modella. Das Puppenhaus wird folgendermaßen angeboten: „4-Zimmer-Luxus-Bungalow mit kompletter Einrichtung und Beleuchtung, ohne Batterie“ DM 98.-.“ – Daneben eine original verpackte Bewohnerin für die Villa. Die Kunststoffhülle der Verpackung ist im Laufe der Zeit derart geschrumpft, dass die Pappschachtel durch die Spannung deformiert wurde.