Puppenstuben und Puppenhäuser vor 1945

Eine Puppenstube aus dem Jahr 1940, das zusammenklappbare Gehäuse und die Möbel sind selbstgebaut. Der dafür verantwortliche Vater war von Beruf Schlosser, was sich in den funktionsfähigen Verschlussvorrichtungen der Schranktüren widerspiegelt. Für den Bau verwendet wurde unter anderem das Holz alter Zigarrenkisten – sehr schön zu sehen an der Rückwand des Wohnzimmerschranks. Die Einrichtung ist 100 % original – also so, wie ich sie von der ursprünglichen Besitzerin erhalten habe. Maße: 70 x 44 x 33 cm

Tür zu klein, Teller zu groß… – den meisten Kindern war und ist es egal, ob eins zum anderen passt. Hauptsache, das Ganze ist spielgerecht.

Während in den meisten mir bekannten Puppenstubensammlungen vorwiegend perfekt zusammengestellte Idealzimmer zu finden sind (wogegen grundsätzlich natürlich nichts zu sagen ist, denn das Sammeln soll ja in erster Linie Freude bereiten gemäß dem Motto: „Erlaubt ist, was gefällt.“), kommen bei mir auch Puppenstuben zu ihrem Recht, denen sofort anzusehen ist, dass sie Kinderspielzeuge waren – Spielspuren inklusive. Optimal ist natürlich, wenn ich die Stücke sogar noch von den ursprünglichen Besitzern erhalten habe und diese mir etwas dazu erzählen konnten!

Diese Puppenstube inspirierte übrigens die Stuttgarter Photo-Künstlerin Sabine Bloch zu einem Motiv ihrer Fotoserie „NahrungsAufnahmen“ – mehr von Sabines Arbeiten gibt es auf ihrer Homepage zu entdecken.

Puppenhaus der Firma Albin Schönherr – Gehäuse, Möblierung und Bewohner im Fundzustand, es handelt sich um ein zu 100 % authentisches Zeitzeugnis! Maße: 68 x 48 x 55 cm
Originelles Detail: Als Sonnenschirm dient ein alter Puppenschirm, der in eine Wachskerzenhalterung gesteckt wird.
Aschenbecher mit originaler "Zigarre"
Privatfoto (1927)
Privatfoto (1930er Jahre)
Die vielleicht längste Puppenstube der Welt? Eigenbau einer Familie mit offensichtlich sehr viel Platz, Gesamtlänge 185 cm. Die noch vorhandenen Restmöbel wurden von mir zeittypisch ergänzt.
Puppenstube um 1905, Gehäuse: August Herrmann Nachf., Maße: 63 x 25 x 26 cm
Puppenstube, Puppen und Möblierung stammen aus dem Nachlass der Besitzerin. Diese hatte das Spielzeug bereits von ihrer Mutter "geerbt". Hersteller: Albin Schönherr, um 1920, Maße: 54 x 30 x 21 cm
Weihnachten 1934, Privatfoto

Impressionen von Räumlichkeiten und Accessoires einer um 1890 selbstgebauten, beidseitig bespielbaren 5-Raum-Puppenstube mit weitestgehend original erhalten gebliebener Einrichtung. Tapeten und Kleidung der Bewohner wurden von den ehemaligen Besitzern erneuert, Teppiche neu hinzugefügt. Einerseits schmerzlich, andererseits sehe ich es aber auch positiv: Denn immerhin galt die Stube nicht nur als wertvolles Objekt zum Anschauen, sondern wurde zwischen 1890 und 2000 von den Kindern der Familie immer wieder bespielt – und darin besteht schließlich die eigentliche Bestimmung eines Spielzeugs. Ich nahm mir dann nach reiflicher Überlegung die Freiheit, die recht modernen neuen Tapeten wiederum gegen besser passende auszutauschen.

Miniaturmöbel im "Boulle-Stil", benannt nach dem französischen Möbeltischler André-Charles Boulle
Mädchen vor Puppenstuben (Privatfoto 1932)
Puppenstube um 1900/10, zu 100 % original, d.h. im Fundzustand! Maße: 60 x 35 x 25 cm. – Tischplatte und Schranktür haben eine wunderschöne Intarsien-Optik, Schrankhöhe ca. 18 cm.

Caho (Caco)-Biegepüppchen – Im Jahre 1906 gründeten die Herren Canzler und Hoffmann eine Großhandels- und Exportfirma für Spielwaren. 1910 begannen sie mit einer eigenen Produktion von Puppenkleidern und Puppenzubehör. 1925 erfolgte die Eintragung des Warenzeichens „Caho“ (Canzler-Hoffmann). 1927 wurden die ersten biegbaren Püppchen hergestellt. – Nach den Kriegswirren gründete Fritz Canzler in Coburg seine unter dem Warenzeichen „Caco“ (Canzler-Coburg) bekannte Puppen- und Spielzeugwerkstätte.

Zwei Puppenküchen um 1920, einige Einzelteile sind älteren bzw. jüngeren Datums. Es handelt sich um einen unberührten Speicherfund aus dem Haus einer gutsituierten Familie in einer niederrheinischen Kleinstadt. Die überreiche Ausstattung ist zu 100 % original und wurde lobenswerterweise nicht, wie mittlerweile leider gang und gäbe, auseinandergerissen und Stück für Stück bei Internetauktionen „verscherbelt“. So sind zwei aussagekräftige Zeitzeugnisse unverfälscht erhalten geblieben. Im Fundus enthaltene Püppchen „Made in Hongkong“ aus den 1960/70er Jahren und ein Schlumpf aus den 80ern belegen, dass auch Kinder nachfolgender Generationen zum Spiel animiert werden sollten. Glücklicherweise wurde seinerzeit jedoch darauf verzichtet, die Gehäuse zu renovieren

Mädchen mit Puppenküche, Privatfoto
Mädchen vor Puppenküche, wohl 1930er Jahre, Privatfoto

Reich bestückte Puppenküche in selbstgebautem Gehäuse um 1900, Maße: 62 x 30 x 58 cm. – Die ehemalige Besitzerin erzählte mir, dass die Küche inklusive Grundausstattung noch von ihrer Mutter (Jahrgang 1896) stammt, die Einrichtung von ihrer Tante in den 1920er Jahren ergänzt und von ihr selbst in den 1950er Jahren bespielt wurde.

Es war ein Glücksfall, diese wunderbare Puppenstube von der ursprünglichen Besitzerin übernehmen zu können. Sie erinnerte sich daran, ihren Vater beim Bau überrascht zu haben und dessen Erklärung, „er baue Kaninchenställe“ kam ihr trotz ihres Kindesalters nicht glaubhaft vor. Die Möblierung und das Inventar sind noch original, lediglich „Bewohner“ und Vorhänge wurden nachträglich hinzugefügt. – Wie durch ein Wunder überstand das Gehäuse einen Bombenangriff in einem intakt gebliebenen Kellerraum eines ansonsten weitestgehend zerstörten Wohnhauses. – Irgendwann müssen sich die Tapeten durch Wassereinwirkung abgelöst haben. Laut Auskunft der Besitzerin hat das Haus niemals Tapeten gehabt. Da ich jedoch Reste gefunden habe, hat ihr wohl, wie auch bei vielen anderen Menschen, die ich getroffen habe, die Erinnerung einen Streich gespielt. – Da von dem Haus aber auch untapeziert eine ganz besondere Ausstrahlung ausgeht, habe ich es in diesem Zustand belassen und nenne es für mich „die dunkle Stube“. Maße: 100 x 42 x 57 cm

Der Herr des Hauses sitzt am Schreibtisch. Sehr schön ist einer der beiden Erker zu erkennen, die jeweils links und rechts an der oberen Etage angebracht sind.
Diese kleine Kunststoff-Figur stellte im Spiel einen Rauchverzehrer dar.
Gehäuse der Firma Albin Schönherr mit originellen selbstgebastelten Wohnzimmermöbeln und WC, wohl 1930/40er Jahre, Maße: 90 x 33 x 29 cm

Bei diesen beiden Objekten handelt es sich wohl weniger um Puppenstuben, als vielmehr um handwerklich hochwertige Miniaturen. Die Bilder im Schlafzimmer sind „echte“ Gemälde, das Kissen ist bestickt und die Rückwand effektvoll mit Stoff strukturiert. Die äußerst detailgetreu gearbeiteten Möbel sind auf dem Boden festgeklebt. Der Boden wurde (augenscheinlich mit einem Stempel) bedruckt und weist zusätzlich eine Intarsienarbeit auf. – Maße: Schlafzimmer: 30 x 20 x 9 cm, „Herrenzimmer“ 23 x 17 x 10 cm