Spielwelten der 50er Jahre

Ich bedanke mich auf das Allerherzlichste bei Ingrid aus Hamburg, die mir und meinem Museum die komplette 50er-Jahre-Puppenhauswelt ihrer Kindheit anvertraut hat – neben einem Puppenhaus gehören auch noch zwei Puppenstubengehäuse dazu. – Bei der Einrichtung des Hauses und der Stuben habe ich mich genauestens an Ingrids Kindheitserinnerungen orientiert, die sie für mich netterweise auf Fotos festgehalten hat. 

Schicke, selten zu findende Flurgarderobe. Das an der Rückwand verklebte Schaumgummi ist fast schon zu Staub zerfallen und rieselt bereits herab, wenn man es nur mal scharf anguckt. – In der Garage stand ursprünglich eine Mercedes-Limousine, die Ingrid irgendwann einmal zu einem Cabrio „umbaute“. Da dadurch scharfe Kanten entstanden waren, wurde dieses jedoch entsorgt. Seither dient die Garage als Abstellraum für „Saisonware“.

Eigentlich war die Hollywoodschaukel für die Dachterrasse des Hauses gedacht, doch empfand Ingrid sie schon als Kind an diesen Platz als zu groß – daher musste das Gartenmöbel auf eine Schaumstoffwiese mit Schaumstoff-Blumen- und -Bäumen ausweichen, um die sie mit Plastikelementen einen Zaun baute. Da sämtliche Schaumstoffelemente im Laufe der Jahre zerfallen sind, habe ich für das Foto eine Filzplatte darunter gelegt. Diese ist übrigens das einzige auf dieser Seite zu sehende Teil, das nicht aus dem originalen Fundus stammt.

Das Puppenhaus in einem Spielzeugprospekt aus dem Jahr 1957: „Puppenhaus – 2 Etagen mit je einem großen Raum; Treppenaufgang, Terrasse und Dachgarten. Angebaute Garage mit Auffahrt. Alle Fenster und Türen lassen sich öffnen. Das Haus ist hinten offen, so daß man bequem hineingreifen kann. Größe etwa 65 x 33 x 41cm…….45.-„. – Auf der rechten Seite ein tolles Zeitdokument: Ingrids Mutter hat den Kauf des Puppenhauses in ihrem Haushaltsbuch festgehalten. Dezember 1957: „1 Puppenhaus (Ingr.) 35.-. Ingrid erinnert sich, dass das Puppenhaus seinerzeit bei „Spielzeug Rasch in Hamburg“ gekauft wurde. „Dort hatte ich es ja gesehen und mir dann gewünscht.“ – Bemerkenswert ist der für die damalige Zeit gewaltige Preisunterschied von 10 DM!

Zweiraum-Puppenstube mit Wohnzimmer und Kinderzimmer
Das Püppchen mit der Gitarre war in Ingrids Spielwelt die "ältere Schwester". Auf den Nachttischen sind Werbebeigaben der Firma Haribo mit Bildern von Caterina Valente und Audrey Hepburn zu entdecken – und auf dem Tischchen eine Schiefertafel im Miniaturformat.
Heftigste Kämpfe scheinen Teufel und Kasperle ausgefochten zu haben – an der Teufelsgabel fehlt schon ein Zinken und auch Kasperles "Schlaginstrument" weist sichtbare Spuren auf...
Ein ebenso sorgfältig wie liebevoll eingerichteter Wohnzimmerschrank
Kinderzimmerschrank mit hübschem Dekor

Küche und Badezimmer mussten sich ein Gehäuse teilen und da kein Küchenschrank vorhanden war, tat’s auch ein Schlafzimmerschrank, Nachttische wurden zu einer Anrichte zusammengeschoben. Wie schon im Puppenhaus ganz oben ist auch bei dieser Einrichtung sehr schön der Übergang ins „Plastikzeitalter“ erkennbar. Hocker und Schminktisch auf der rechten Seite schließlich bastelte die Mutter einer Freundin  – aus einem Korken bzw. aus vier zusammengeklebten Streichholzschachteln.

Übrigens: Aus Ingrid wurde dann im späteren Leben eine engagierte Schul-Lehrerin. Und während ihres Studiums war sie als „Rosa“ Mitglied der legendären „Rentnerband“. Ihr gehört die weibliche Stimme in der „Hamburger Deern“, dem sicherlich bekanntesten Stück dieser Gruppe, das in nachfolgendem Video angeschaut und angehört werden kann. Aber VORSICHT! – Auch nach all den vielen Jahren besitzt dieses Lied immer noch absolute Ohrwurmqualitäten. Wenn man es einmal (wieder-) gehört hat, wird man es so schnell nicht mehr los;-)

Die Kinder sind im Bett und so kann die Hausfrau und Mutter ein wenig bei Kaffee und Kuchen entspannen;-) – Eine Puppenstube, die ich von der ursprünglichen Besitzerin bekommen habe und die sie mir derart eingerichtet und arrangiert präsentiert hat. Nichts weggenommen – nichts hinzugefügt.  

Wohn- und Esszimmermöbel samt Gummibaum sowie die Püppchen stammen von Ulrike, die mir verriet, dass sie Jahrgang 1950 ist und viele Jahre damit gespielt hat. „Den Kamin hat übrigens mein Vater gebastelt, wie so vieles für mein Puppenhaus. Leider hat er im Alter das ganze Haus zerschlagen und meine Mutter und ich konnten nur noch das Interieur retten.“ Also habe ich alles in ein bisher leer stehendes Gehäuse getan. Besonders gut gefällt mir die Sitzgarnitur, die mit echtem zeitgenössischen Polsterstoff bezogen ist. Entgegen meiner ersten Vermutung, dass diese, wie Kamin und auch Sofakissen, ebenfalls selbstgefertigt ist, fand ich aber die Unterseiten noch mit Preisangaben beschriftet. – Der Familienvater heißt übrigens Klaus – so steht’s auf der Schuhsohle. Maße: 97 x 39 x 28 cm

Dieses zierliche Holzservice taucht recht häufig in alten Puppenstuben auf. Sehr selten ist jedoch, dass noch die Deckel sowohl der Kaffeekanne als auch der Zuckerdose vorhanden sind.

Es war einmal ein Puppenhaus

Für die nachfolgenden Möbel / Puppenstubenpuppen bedanke ich mich ganz herzlich bei Sabine, die mir liebenswerter Weise auch noch folgende Erläuterungen zukommen ließ: “ Es handelt sich um die Puppenhauseinrichtung meiner Schwester (geb. 1956). Mein Vater hatte ihr selbst ein Puppenhaus gebaut, mit elektrischer Beleuchtung, Türklingel, 4 Zimmern, Küche, Bad und einer Terrasse. Das muss so um 1961/62 gewesen sein, da meine Schwester das Haus vermutlich zu Weihnachten 1962 bekommen hat, als sie gerade 6 Jahre alt geworden war. Mein Vater hatte damals ein kleines Arbeitszimmer in unserer Mietwohnung, in dem er das Haus wohl zusammenbaute. Jedenfalls war uns Kindern streng verboten, dort hineinzugehen. – Das Puppenhaus selbst war aus Sperrholz und nach 50 Jahren Lagerung auf dem Dachboden leider nicht mehr restaurierbar, da sich das Holz so verzogen hatte, dass mir ein Schreiner den Weg zum Sperrmüll empfohlen hat. – Die Einrichtung selbst (samt Bettzeug, Puppengeschirr und ähnlichem) ist jedoch noch vorhanden, auch die dazugehörigen Biegepüppchen. Das meiste ist tadellos erhalten und von mir eigenhändig geputzt. 😉

Ich erinnere mich, dass ich mit dem Puppenhaus fast nie spielen durfte, weil ich als drei Jahre jüngere ja „alles kaputtmachte“. Das war gar nicht mal so falsch, denn als Kind ging ich sehr sorglos mit Spielsachen um, im Gegenzeit zu meiner Schwester, die ihre eifersüchtig überbehütete. ;-)“

Da das Puppenhaus also bedauerlicherweise nicht mehr existiert, habe ich die Möbel auf verschiedene Puppenstubengehäuse aus meinem Fundus verteilt, die Bewohner sind für die Fotos jedes Mal umgezogen. Die Texte unter den Fotos stammen ebenfalls von Sabine.

"Die Küche. Was hab ich meine Schwester um sie beneidet. :-)"
"Wohnzimmer mit Papas selbstgebautem Fernseher, in den man Dias einschieben konnte, die dann von hinten beleuchtet wurden."